ach, wie doch die zeit vergeht.nun sind wir mittlerweile bereits 3 wochen in spanien. laura und ich waren natuerlich die ganze zeit fleissig am laufen, laufen, laufen. und so ist es kein wunder, dass wir uns mittlerweile auf der zielgeraden befinden, d.h. wir haben nur noch knapp 130 km vor uns, was gleichzusetzen ist mit fuenf relaxten wandertagen. seit unserem letzten bericht mussten wir wieder etliche stunden sonne ueber uns ergehen lassen, was das wandern nicht einfacher macht. haetten wir das vorher gewusst, dass der sommer bereits so zeitig ausbricht, dann waeren wohl die hohen knoechelwanderstiefel sowie ein paar jacken nicht mit in den flieger gekommen. aber wir wollen uns mal nicht uebers wetter beschweren, schliesslich sorgt ein blauer himmel am ende doch fuer gute laune auf dem weg.
generell haben wir uns den aeusseren umstaenden angepasst. damit wir nicht in die knallige hitze kommen, stehen wir immer recht zeitig auf und verlassen die herberge meist gegen 6.30 uhr. nach zwei/drei stunden wandern brauchen unsere fuesse dann die erste pause, welche wir dann zugleich als fruehstueckspause nutzen. muesli rausholen, fruechte kleinschneiden, joghurt dazu - alles in einer tupperdose zu einer breifoermigen masse vermischen - fertig. danach wird wieder gewandert, 2 stunden in etwa, bis wir die naechste bar erreicht haben. laura trinkt immer eine art lemon und ich goenne mir schon mal ein bierchen. dann wieder socken und schuhe anziehen und los gehts zum endspurt, noch mal 2 stunden auf die piste. um 14 uhr haben wir dann meistens die herberge erreicht. noch schnell duschen, ein paar sachen waschen und dann wird erstmal relaxt. ab jetzt kann die sonne von mir aus scheinen soviel sie gerne moechte. sofern die hernerge ueber eine kueche und der ort ueber einen kleinen konsum verfuegen, kaufen wir meist ein paar lebensmittel und kochen uns selbst was. oftmals wollen wir aber auch die spanische kueche fuer uns kochen lassen und gehen in die bar im ort. ja, das ist so der grobe tagesablauf des pilgerers hier.
dann moechten wir noch ein paar eindruecke ueber die verschiedenen regionen in spanien berichten, so wie wir sie denn erleben durften. gestartet sind wir ja bekanntlich in pamplona. das liegt in navarra und gehoert zum baskenland. hier sind uns besonders die vielen restaurierten ortschaften aufgefallen. zumindest entlang des camino sind die strassen und haeuser hier in den doerfern sehr aufwendig, rustikal und geschmackvoll restauriert worden. da legen die basken anscheinend wert drauf. im anschluss daran durchquerten wir die region rioja, die ihren namen dem fluss rio oja zu verdanken hat. typisch fuer die region rioja waren natuerlich die weinfelder. tagelang haben wir nichts anderes gesehen. die weine dieser region sind sehr bekannt. bei horschte im weinlager findet man sicher auch eine flasche von hier. nach rioja haben wir auch bald die region burgos hinter uns gelassen, von der es so nichts bedeutendes zu berichten gibt. oft liefen wir an strassen oder autobahnen vorbei, dass laesst sich halt heutzutage nicht vermeiden, der camino muss sich unterordnen. auch waren die ortschaften hier ganz und gar nicht mehr so schoen und ansehnlich wie noch vor ein paar tagen. statt dachsteinen sieht man hier oft wellblech und die uralten, massiven tueren aus holz wurden schlicht weg durch neue stahlturen ersetzt - moderne spanische bauweise. und dann naeherten wir uns der meseta, die uns so schnell nicht mehr aus ihren zwaengen befreien wollte. die meseta ist eine scheinbar nie enden wollende ebene, wo sich links und rechts des camino nichts als riesige weizenfelder erstrecken. ein paradies fuer suizidgefaehrdete. die koennten sich hier die knarre an den kopf halten und keiner wuerde es je erfahren. eines tages war es dann soweit. wir laufen schon wieder den ganzen vormittag durch die meseta. alles sieht gleich aus. norden, osten, sueden, westen. der untergrund ist erneuert worden, besteht jetzt aus hellem splitt. der seitenstrfeifen ist bepflanst mit absolut identischen baeumen. der helle splitt blendet grell im sonnenlicht, die baeume tragen noch keine blaetter und die hoffnung auf schatten erlischt. es ist sowas von unglaublich eintoenig. erschwerend kommt hinzu, dass das teilstueck hier 13 km lang ist und dabei lediglich zweimal die richtung um nur wenige grad geaendert wird. ansonsten geht es hier ausnahmslos geradeaus. und dann passiert es. mein pilgerstab verhaspelt sich zwischen meinen fuessen und dem erdboden. und da ich ein harter hund bin und meine knochen noch viel mehr, halten diese dem druck stand und was da knackt, ist mein pilgerstab. an einem astloch hat er nachgegeben, musste der stetigen bewegung meiner beine platz machen. unspektakulaer und wenig geruehrt davon lasse ich ihn auf dem weg liegen und will nur noch raus aus der meseta. laura weiss ebenso eine geschichte aus der sonst so gehirnzermarternden, weil eintoenigen meseta zu berichten. sie kommt ja aus dem gastgewerbe, ist kneiperstochter und daher ruerig am thresen und in der kueche, hat immer ein wachsames auge fuer solche dinge. wir ueberqueren nun eine bruecke. im vorbeilaufen macht laura im augenwinkel eine entdeckung - liegen da etwa brote und baguettes im fluss? sie weiss nicht genau was sie davon halten soll. um ganz sicher zu gehen, macht sie einen schritt an den rand der bruecke, uebersieht hierbei die asphaltkante und knallt mit dem knie auf die strasse. zum glueck nicht in den fluss, wie ich meine. das knie ist ok, schmerzt aber noch ein paar tage. die hose lediert, muss mama flicken. wir setzen die reise fort. und weil die meseta so schoen langweilig ist, empfinden wir kleine erlebnisse als unheimliche kracher. an jenem tag laufen wir eine alte roemerstrasse entlang, calzada romana. wir wanderer hassen roemerstrassen, den sie sind von grund auf militaerisch und daher schnur stracks geradeaus. die heutige zieht sich ueber sage und schreibe achtzehnkommafuenfkilometer lang hin. doch ist das nicht schon strafe genug, ist der untergrund hier wie ein feldweg ueber und ueber mit steinen bedeckt, runde, halbrunde, ovale, groessere, kleine, golfbaelle, usw. das ist die pure durchblutungsfoerderung. doch die alten roemer wollen uns heute noch mehr aergern und es gesellt sich eine moskitoplage hinzu. auf fast der gesamten strecke wimmelt es an diesem tag nur so von moskitos. das wandern auf diesen steinen ist ohne moskitos schon schwer genug, muss man doch aufpassen, dass man nicht den falschen stein erwischt und umknickt. aber jetzt noch diese attacken. ich wedele mir mit meinem handtuch die viecher vor dem gesicht weg und laura hat sich mittels eines kopftuches komplett vermummt. man koennte annehmen, sie sei ploetzlich dem islam uebergetreten, und das auf diesem so ur-christlichen pilgerweg. eine weitere lustige geschichte erwartete uns an anderer stelle. wir sind mal wieder am laufen, als uns ein 84 jahre alter greis entgegenkommt. er hat eine anzugjacke an, die uebersaeht ist mit abzeichen oder anstecknadeln, er traegt eine komische brille und hat einen block in der hand. er bittet uns, dass wir einen vers in sein buch schreiben. jeden tag laeuft er hier lang und begruesst die pilger. als wir uns verabschieden wollen, zeigt der greis mit seinem finger auf die wange und guckt dabei auf laura. sie kann nicht wiederstehen und drueckt ihm ein kuesschen auf. dann guckt der alte und lacht schelmisch und fuehlt sich zwanzig jahre juenger. so langweilig die meseta sich auch anhoeren moechte, waren wir doch froh, dass wir sie erleben durften.
und mit dem verlassen der meseta verlassen wir auch das reich der geschichten. fuer heute solls mal wieder genuegen. ein artikel wird sicher noch folgen, der dort von bergen erzaehlt und vom zieleinlauf und so.
wegen bilder reinsetzen zieht sich noch ein wenig hin, da ich ja nur eine filmkamera dabeihabe und keine digitale... sorry.