February 09, 2007

Guatemala

tacamulco.jpg

ZUM FOTO
das foto dokumentiert die besteigung des vulkanes tacamulco...


LANGE NIX GEHOERT
ja, meine lieben lesenden. wohl wahr, ich hinke der zeit mal wieder ein wenig hinterher was meinen reisebericht angeht. aber das liegt halt daran, dass ich nicht alleine unterwegs bin, sondern weil ich die gewohnheiten meiner mitreisenden in einem gemeinsamen tagesablauf unterbringen muss. in san christobal war rundum alles gut und schoen. vier oder fuenf tage bin ich insgesamt dort geblieben, habe vormittags meistens tennis gespielr mit einem amerikaner aus dem hostel, bin nachmittags in der stadt herumgebummelt und abends gings dann in den latina-club aufn bier.

12: 1 FUER DIE NIEDERLANDEN
tennis spielen, in den cafes rumhocken und abends mit den leuten im hostel rumhaengen ist ja ganz schoen, aber ich bin ja nicht zum spass nach mittelamerika gekommen. so hab ich mich dann doch von san cristobal losruetteln muessen und bin des morgens in der frueh zum busterminal gelaufen. um 06.30 uhr geht die reise los. heute will ich in guatemala einreisen. eigentlich bin ich noch total muede, weil wir uns gestern abend im hostel noch so lange unterhalten hatten, weltpolitik war das topthema des abends gewesen... und so will ich eigentlich nur schlafen waehrend der busfahrt, und alles drum herum soll mir egal sein. hhhm. naja. als der bus dann schon ne weile unterwegs ist, stellt sich heraus, dass ich der einzige deutsche im bus bin. und neben dem einzigen deutschen dann noch ein einziger mexikaner, der aber raus faellt, weil er den busfahrer spielt. also ausser dem einzigen deutschen sich dann nur noch ein dutzend hollaender befinden. ja und so kommen wir dann ins gespraech. hollaender und deutsche, da gibts ja immer was zum erzaehlen. dann machen die hollaender auch noch witze, albern rum und so, sagen zum beispiel dass sie in ihrer reisegruppe einen frauenueberhang feststellen mussten und sie mich deshalb gut gebrauchen koennten (da frag ich mich, wo ist der poeter, als unser frauenbeauftragter?). zwischendurch doese ich immer wieder ein. als wir dann an der grenze angekommen waren, entschliesse ich mich DIE ALLES ENTSCHEIDENDE FRAGE zu stellen... die antwort lautete: ja, wir wuerden uns freuen, dich in unsere gruppe aufzunehmen. und so bin ich dann halt die naechsten zwei, drei tage mit nem dutzend hollaendern durch guatemala gereist. man muss dazusagen, dass die hollaender diese suedmexiko-guatemala-reise von zu hause aus gebucht hatten, es also eine art organisierte reise war. alle hotels waren demnach im voraus gebucht, weshalb sie in zeit und ort sehr eher unflexibel waren. das hat mich dann letzten endes dazu gebracht, mich wieder von ihnen zu trennen und eigene wege zu gehen. zu engmaschig war ihr terminkalender gestrickt. war aber trotzdem mal lustig und ne neue erfahrung, mit einer solchen truppe zu reisen.

BANKEN-CRASH
so hab ich mich als naechstes in xela wiedergefunden. das ist ein ort, um den herum es von vulkanen nur so wimmelt. angekommen in xela an einem sonntag, erschien mir der ort zunaechst hoechst unsympatisch. auf den strassen keine menschenseele, alle geschaefte geschlossen, auch keine anderen reisenden auszumachen. eigentlich bin ich hierher gekommen um einen vulkan-trip zu unternehmen, aber im moment sieht die sache eher unwahrscheinlich aus. erst als ich im hostel ankomme entspannt sich die lage. dort gibt es ein paar andere traveler und wir gehen fuer heute ins pub. am naechsten morgen mache ich mich auf den weg, um ein paar dinge zu erledigen. erstens ist meine kamera kaputt, spult den film manchmal einfach nicht weiter => im fotoladen ist man ratlos, hilfe kann nicht erwartet werden. zweitens muss ich zur bank um geld abzuheben. hierzu folgende anmerkung: vor ein paar wochen sind die zwei groessten kreditinstitute guatemalas pleite gegangen. damit verlagerten sich die geldgeschaefte auf die uebrigen banken. der druck auf diese wird groesser. fuer ein land wie guatemala mit schwacher infrastruktur bedeutet das im klartext: werte kundschaft, falls ihr noch geld aus den geldautomaten bekommt, dann habt ihr glueck gehabt, alle anderen haben bitte pech. so kam ich mit meiner geldkarte bei der einen bank eben nicht weiter, weil kein geld mehr im automaten war. dann bin ich hin zur anderen bank, diese hatte keinen geldautomaten, also wollte ich rein, an den schalter. hierzu musste ich meinen rucksack beim polizisten (gewehr im anschlag) vor der bank liegenlassen. dann hat er mich durchgelassen. auf die ec- und maestrokarten gabs kein geld. erst beim zuecken der visa-karte und nach ausfuellen eines A4-pamflets, einem darauffolgenden telefongespraech des bankangestellten mit einer weiteren bestaetigungsbehoerde hielt ich dann endlich einen schein in der hand, der mich befaehigte, 2.000 quetzales (=200 EUR) vom schalter abholen zu duerfen. alles in allem war aber die situation nicht so brenzlich, denn ich hatte ja immerhin noch meine eiserne 500 US dollar notfallreserve in cash bei mir am mann.

UEBER DEN WOLKEN
in xela wollte ich also einen vulkan besteigen. ich ging zum touranbieter und man hat mir u.a. den folgenden trip angeboten: los soll es gehen am mittwoch morgen, dann ein paar stunden wandern bis zum fusse des vulkanes santiaguito. dort uebernachten und am naechsten tag wieder zurueck. folgende anmerkung hierzu. der santiaguito ist erst 104 jahre alt, ist beim ausbruch seines muttervulkans santa maria 1902 geboren worden. santa maria hat die stadt xela damals meterhoch mit asche zugedeckt, haeuser und menschen darunter begraben. heutzutage ist santa maria ruhig, doch der tochtervulkan santiaguito zaehlt seitdem zu einem der gefaehrlichsten vulkane auf der erde. jeden tag koennte er explodieren. taeglich steigen rauchschwaden auf, welche durch kleinere erruptionen hervorgerufen wurden. das hoert sich gut an, denke ich, und buche die tour fuer 35 euro. die tage ziehen ins land. dann ist fuer dienstag abend noch ein meeting angesetzt, in der die letzten dinge noch mal besprochen werden sollen. wir kommen also hin zum touranbieter, der uns die ernuechternde antwort gibt: der trip muss leider abgeblasen werden. vom santiaguito steigen derzeit giftige daempfe hervor; durch die unguenstigste windrichtung ist ein trip zum santiaguito derzeit unmoeglich. bitteschoen hier haben sie ihr geld zurueck. na toll, da wartet man hier nun die ganzen tage und dann wird alles abgeblasen. zusammen mit einer oesterreicherin und einem weiteren deutschen gehen wir zum naechsten touranbieter und erkundigen uns nach weiteren trips. so bietet uns xela moon z.b. einen zwei tages trip (also mit uebernachtung) auf den hoechsten vulkan mittelamerikas an, auf den tacamulco. na schoen, dann nehmen wir halt den. uns schliesst sich dann noch eine englaenderin an und so sind wir samt fuehrer eine kleine, aber dennoch durchaus aberfeine gruppe von 5 leuten. wir packen unsere rucksaecke, nehmen hoffentlich genug warme kleidung und ausreichend wasservorraete mit. das bloede ist halt, das man die warme kleidung eigentlich ausschliesslich in der nacht und um morgengrauen braucht, das wasser groesstenteils auf dem hinweg (aufstieg zum vulkan). und so schleppt man das meiste gewicht den berg hinauf und runterwaerts, was an sich ja eh viel leichter geht, ist der rucksack dann durch die verbrauchte wassermenge nochmal leichter. nun noch ein paar worte zu dieser hoechsten vulkanbesteigung mittelamerikas: anstrengend war es, mehr als 5 stunden am stueck nur steigen, die sonne brennt unerbittlich, wasser trinken hilft, immer wieder wasser trinken, somit wird der rucksack auch ein wenig leichter, jetzt gesellen sich langsam kopfschmerzen hinzu, das wurde ja auch zeit, ja genau die luft wird ja auch duenner. letzten endes sind wir doch noch angekommen im basiscamp, 4.000 meter ueberm meer. schnell noch feuerholz sammeln bevor es dunkel wird und damit kalt. unser fuehrer setzt das abendbrot an, champignoncremesuppe, hauptspeise spaghetti. kurz darauf gehts ins bett. alle mann rein ins zelt. die ganze nacht drehe ich mich von links nach rechts, wieder nach links, immer hin und her, auf den ruecken, auf den bauch, ich dreh bald durch, das geht ueberhaupt nicht, die kopfschmerzen werden immer staerker, ich atme nur noch durch den mund, schneller und schneller wie ein haechelnder hund, die nase ist schon lange zu, meine waden brennen von der belastung, ich bete zu gott lass es doch endlich morgen werden... dann ist es 04.30 uhr und somit morgen. wir stehen auf. raeumen alles zusammen, packen unsere rucksaecke und starten los nach oben, 200 hoehenmeter muessen wir nur noch zuruecklegen. es ist vollmond ueberm tacamulco vulkan, keine ahnung ob ueber rietdorf ebenfalls vollmond ist? da muss ich mal axel schulze fragen, wenn ich wieder zu hause bin. von christoph, dem anderen deutschen lasse ich mir noch eine aspirin geben, eine koenigreich fuer eine aspirin. halbe stunde spaeter bin ich top fit. ausser halt ein wenig muede. um sechs oder so kommen wir oben an. der karter an sich ist nicht sehenswert, da gibt es sicher bessere, aber der ausblick. im westen sehen wir die vilkanlandschaft im vordergrung, den vollmond im hintergrund. im osten kommt langsam die sonne hervor, erkaempft sich jeden zentimeter, rechts neben der sonne (schuldigung axel, ist astronomisch nicht ganz korrekt ausgedrueckt) erstreckt sich die vulkankette um santa maria und santiaguito. im selben moment (das ist ja wie beim drama hier) koennen wir eine eine erruption des santiaguito ausmachen, welche eine riesige rauchwolke mitsich bringt. sicherheitshalber habe ich diesen moment mal mit meiner kamera festgehalten (zum glueck hat sie diesmal nicht rumgesponnen und stattdessen einfach das foto gemacht). ja, mittlerweile ist es dann sieben uhr und unser fuehrer hat das fruehstueck vorbereitet, auf 4220 metern ueberm meer.

SCHLUSS FUER HEUTE
fuer heute solls mal wieder genug sein. eines noch zum schluss: ja raebchen, ich habe dran gedacht und dir ein stueckerl vulkangestein vom tacamulco abgebrochen.


Posted by Sascha at February 9, 2007 07:56 PM
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