March 13, 2009

eine woche jakobsweg spanien

begruessung:
hallo leute.

einfuehrung/allgemeines:
ein jahr ist nun vergangen und es ist wieder februar/maerz - und damit reisezeit. doch packe ich diesmal die koffer nicht alleine, sondern werde meine erlebnisse gemeinsam mit meiner freundin teilen, denn laura sagte sich, sienutzt die semesterferien mal etwas anders und kommt einfach mit mir mit. und das freute mich natuerlich umso mehr. denn die eindruecke waehrend einer reise lassen sich wohl besser verarbeiten, wenn man zu jeder zeit eine zweite meinung ueber die dinge abfragen kann.

als reiseziel sind uns im vorfeld viele laender durch den kopf geflogen. die ganz grossen namen sind gefallen, so zum beispiel indien, vietnam, mexiko, kuba, aethiopien, indonesien, um nur einige zu nennen - doch durchgesetzt hat sich am ende der norden von spanien (fuer meine begriffe also eher ein naherholungsgebiet), um genau zu sein der jakobsweg.

viele sind ihn schon gelaufen, in der letzten zeit vielleicht zu viele, als dass man behaupten koenne es sei nun was besonderes. aber wir wollten ihn trotzdem gehen, den camino de santiago, an unsere grenzen soll er uns fuehren, die koerperlichen vorerst. ob er uns auch seelisch beeinflussen wird, koennen wir zum jetzigen zeitpunkt noch nicht vorhersagen.

jakobswege gibt es viele. sie haben christlichen ursprung und sind daher in vielen europaeischen laendern zu finden. doch wo sie auch beginnen moegen, ob vor der haustuer, beim koelner dom oder in einem verlassenen dorf in den alpen, immer vereinigen sie sich irgendwo und fuehren am ende nur zu einem punkt - nach santiago de compostela.

die reise an sich:
TAG 0 SCHLENZER - PAMPLONA: wir haben unseren jakobsweg in pamplona begonnen. mit dem flieger von tegel ueber madrid, hier anderthalb stunden zwischenstop, die sonne knallt, von laura kommt die erste beschwerde, dass ich die sonnenbrille unbedingt in deutschland lassen wollte, dann weiterflug mit der propellermaschine (wir kommen uns vor wie businessleute oder journalisten) nach pamplona.
hier empfaengt uns eiskalter hagelregen bei ungheurem wind. in pamplona zwingen wir uns foermlich zu einer kleinen stadtbegehung trotz des wetters, da wir ja nun mal hier sind. unterkunft hatte ich von deutschland aus gebucht, da wir noch keine pilger sind, schliefen wir eben nicht in der pilgerherberge sondern in einem hotel. vom stadtzentrum zum hotel brauchten wir abends eine halbe stunde per fuss. ich hatte keine muetze dabei (lag im hotel), sandz hatte vor kurzem erst meine haare geschnitten, mir waere also fast der kopf abgefroren. zurueck im hotel brauchte ich eine virtelstunde unter der dusche um ansatzweise wieder aufzutauen.

TAG 1 PAMPLONA - PUENTE LA REINA: wir verlassen unser hotel um 9 uhr morgens und ehe wir den richtigen pfad gefunden haben ist es dann irgendwann 10 uhr. ab jetzt richtet sich unser weg also nur noch nach den gelben pfeilen, die an hauswaenden, buergersteigen, baeumen, schildern, steinen, einfach ueberall angezeichnet sind. wir kommen an der unversitaet von navarra vorbei, im sueden pamplonas, hier holen wir unsere pilgerpaesse raus und lassen uns den ersten stempel eintragen. langsam entfernt sich die stadt immer mehr von uns, und mit dem frischen stempel im pass fuehlen wir uns endlich wie richtige pilger. dieser erste tag hat es gleich mal in sich und fordert von uns auf den naechsten kilometern sehr viel geduld und muskelkraft. denn es geht bergauf. wir muessen einen ca 750 meter hohen pass ueberqueren. und da wir uns nicht allzu weit von den pyrenaen befinden, herrscht hier oben noch winter. der weg ist teils steil und verschneit, der wind pfeift uns um die ohren, je hoeher wir kommen desto mehr nimmt das ganze zu. als wir die passhoehe erreicht haben, sieht der weg nach unten nicht viel angenehmer aus. hier auf de suedseite ist der schnee zwar schon etwas getaut, hinterlaesst afuer abr eine rutschpartie aus matschigem lehmboden. meinen, ueber die knoechel reichenden schuhen ist das egal, aber laura trekking-halbschuhe koennen dem nicht standhalten und sind am ende durchnaesst. im tal angekommen ist das wetter nicht mehr stuermisch, laura wechselt die socken und die naechsten zehn kilometer machen dann auch richtig spass. die schuhe laufen wir wieder trocken. wir kommen erschoepft in puente la reina an, goennen uns das erste pilgermenue (vorspeise, hauptgericht, nachspeise, flasche rotwein) und schlafen gluecklich und genaehrt in unserer pilgerherberge ein.

TAG 2 PUENTA LA REINA - ESTELLA: das wetter scheint nun langsam besser zu werden, aber die sonne sollen wir heute wohl noch nicht sehen. folglich waren die wege immer noch sehr matschig, schlammig, aufgeweicht. das macht das wandern schwer. unterwegs holen wir einen anderen pilgerer ein, einen kanadier. von der gangart her haette man auf einen braunbaer schliessen koennen. als wir uns dann mit ihm unterhalten, verraet er uns, dass ihm schlechthin die motivation fehle. was seine schlaefrige, trottige gangart erklaert. wir muessen an dieser stelle hinzufuegen, dass wir diesen weg auch nicht alleine haetten gehen wollen, das waere auch uns zu langweilig, aber zusammen, zu zweit ist es was anderes. ausser dem kanadischen braunbaer gibt es von diesem tag keine weiteren highlights zu berichten, ausser dass der gesamte weg eben eine einzige rutschpartie war.

TAG 3 ESTELLA - TORRES DEL RIO: heute soll uns die sonne empfangen. nach einem lausigen fruehstueck, wo wir uns zwischen knaeckebrot und zwieback entscheiden muessen (man ich komm mir vor wie hannah, wenn sie krank ist), kommen wir zunaechst an einer weinkelterei namens bodegas irache vorbei. hier hat die kelterei fuer die pilger sowohl einen wasserhahn als auch einen weinhahn aus dem gebaeude geleitet (als kostenlose wegzehrung). nur leider kam an diesem tag noch kein wein aus dem hahn. der weg fuehrt uns weiter nach suedwesten, immer weiter richtung santiago, die weinfelder links und rechts nehmen mit jedem kilometer zu, wir kaempfen uns mit mittlerweile ausgedoerrtem magen nach los arcos (bis dato 22 km gelaufen). hier machen wir siesta und essen mittag. anschliessend geht es weitere 8 km nach torres del rio. die sonne brennt lustig weiter. es ist soweit unsere laengste etappe. zugleich aber auch eine der schoensten, denn der jakobsweg fuehrte hier durch wunderschoene landschaften.

TAG 4 TORRES DEL RIO - VENTOSA: heute morgen nehmen wir als erstes den bus ins 20 kilometer entfernte logrono.von dort aus gehen wir zu fuss weiter. so laufen wir heute nur eine kurzstrecke (22 km). laura laeuft die ganze zeit ca. 500 meter vor mir, am ende sogar mehr. mir tuen heute naemlich die fuesse weh vom anstrengenden marsch gestern. laura kann da anscheinend nicht mitreden. aber sie hat andere probleme, wie sich bald herausstellen duerfte. die herberge in ventosa dann setzt neue massstaebe. das wort herberge wird hier sehr wohl augewertet (vanilleraeucherstaebchen im empfangsraum, geraeumige schlafzimmer, kueche und bad alles tip top sauber). jutta, die herbergsmutter, erzaehlt uns abends als wir vor dem kamin sitzen, dass sie ja diese herberge lediglich voruebergehend fuehrt und ihre eigene herberge 25 km weiter auf dem jakobsweg in ciurenela liegt. oh, nein, schreit laura auf, denn wir hatten uns vorher unseren reisefuehrer durchgelesen und unser morgiges etappenziel fuer eben diese herberge in ciurenela festgelegt. aber das faellt ja nun aus.

TAG 5 VENTOSA - SANTA DOMINGO DE LA CALZADA: so gemuetlich wie der abend in der herberge zuende ging, faengt er diesen morgen an. so erklimmen aus den deckenlautsprechern in unserem schlafzimmer gregorianische choraele. da heben selbst die ovopax die haende. der heutige tag wird sehr lang und aufgrund desen, dass juttas herberge in ciurenela geschlossen ist, muessen wir noch 5 km dranhaengen und kommen abends um 5 nach wahnsinnigen 32 km in santa domingo an. als wir in unsere herberge, die der bruderschaft des japanischen drachen angehoert (von den pilgerfreunden aus japan gegruendet), eintreteten wollen, muessen wir zunaechst mal parade stehen fuer ein paar touristen, die da ein foto von uns machen wollen. klar machen wir den spass mit, wundern uns nur bis heute, warum denn gerade wir auf dem foto sein mussten?!

TAG 6 SANTA DOMINGO DE LA CALZADA - BELORADO: also erstmal heisst das nicht belorado, sondern bei mir eldorado. und zweitens kommen wir jetzt endlich zu lauras problemchen, wie vorher angekuendigt. zum wandern ansich gibt es auch heute wieder einen hoehepunkt, wenngleich einen negativen, da der camino naemlich so gut wie ausschliesslich neben der sehr befahrenen bundsstrasse entlanglaeuft. diese verbindet logrono mit burgos und wird daher von lkws nur so heimgesucht. um uns das wandern ein wenig zu erleichtern, haben wir dann eine verkehrszaehlung veranstaltet. fazit: auf jeden pkw kommen 5 lkw. und auf uns pilger bezogen bedeutet dass: auf jeden pilger kommen 20 lkw. ziemlich nervig. endlich in belorado angekommen, gehen wir zum arzt. mit haenden und fuessen versuchen wir lauras rot befleckte fuesse zu beschreiben. diagnose: alergico (allergie gegenueber pestiziden, die in den weinfeldern gespritzt werden). abends wollen wir in der herberge unsere dose chili con carne zubereiten, da entgegnet uns die herbergsmutter nur, sowas bekomme noch nicht mal ihr hund zu fressen! uns so bereitet uns ihr mann life am kaminfeuer eine kleine kostprobe der hiesiegen wurst- und fleischspezialitaeten zu.

TAG 7 BELORADO - ATAPUERCA: heute fuehrt uns der camino auf ueber 1000 meter hoehe, laufen ewig einen waldweg entlang. ich bekomme noch einen anruf von blam (r. rolke, niendorf), da er ein paar stehtische fuers wochenende reservieren wollte. ich sage alles klar, bitte bei horschte abholen. dann ist auch der ewige waldweg irgendwann zu ende und mit jedem schritt machen wir uns mut, dem endziel naeher zu kommen. in atapuerca dann gibt es drei restaurants. im erstenessen wir ein paar pinchos (tapas), dann wollen wir weiterziehen ins zweite. hier ist die tuer geoeffnet, wir treten ein, die tuer faellt ins schloss, aber niemand ist im restaurant, kein kellner kein koch, nur von der oberen etage hoeren wir stimmen, ich rufe hola, niemand hoert uns, wir wollen wieder raus gehen, doch die tuer ist verschlossen, wir ruetteln, nichts passiert. es dauert ein wenig dass wir den elektrischen schalter finden, der uns wieder in die freiheit entlaesst. im dritten lokal dann verspueren wir heimischen flair, denn das restaurant erinnert uns ans kino-cafe-bar bei tommi in dahme, mit allem drum und dran.

wir habens gleich geschafft

TAG 8 ATAPUERCA - BURGOS: heute laufen wir nur 14 km, da werden wir nicht mal richtig warm, unsere beine fuehlen sich ein wenig verarscht. von einem vorort aus nehmen wir den bus in die city, um industrie- und gewerbegebiet zu umgehen. burgos selbst wartet auf mit einer top-herberge. nagelneu und futuristisch, fuer nur 3 euro pro person. die stadt hat alles was ein touri-herz so braucht, alter stadtkern, viele geschaefte, lebendig und sehenswert, viele bars und cafes, nah all dem dorfgelatsche fuehlen wir uns in diesen sphaeren auch mal wieder wohl.

schlussformel:
egal wie das wetter wird und was die tage mit sich brnigen: der weg ist das ziel!

muchas gracias. hasta luego.


Posted by Sascha at March 13, 2009 06:54 PM
Comments

Moin Fernie, auf den Spuren des Hape K. Cooler Bericht! Wo bleiben die Fotos?

Posted by: Marius at March 14, 2009 08:38 AM

hi saschi, hallo laura,
weiter so! der bericht ist lebhaft und lässt erkennen, dass es spass macht, so wie das lesen eurer zeilen im netz! danke, stephen

Posted by: Stephen Berndt at March 15, 2009 10:17 AM

Hola Ihr Pilger,

wir sind stolz auf Eure Leistung und verspühren als eingefleischte Spanienreisende leichten hunger uff Tapas und Vino tinto (aber es sind ja nur noch drei Wochen). Wir hoffen all Eure Plessuren sind ausgeheilt und Ihr habt weiterhin so viel Spaß. Toller Reisebericht! Weiter so Saschinger. Ne´geile Zeit wünschen "die 4 Blumi´s".

Posted by: Blumi und Familie at March 15, 2009 05:39 PM

ääh klasse bericht weiter so
grüsse auch von allen anderen aus mitte

Posted by: rietdorf mitte at March 17, 2009 06:08 AM