February 26, 2008

eine frage der ansicht

im heutigen bericht geht es mehr um ansichtssachen als um einen reisebericht.

Um es gleich mal vorwegzunehmen, den Kilimanjaro habe ich nicht bestiegen. Im wesentlichen ging es mir ums prinzip. Ich moechte behaupten, den allgemeinen tanzania-reisenden zieht es vor allem in einer sache ins land, naemlich den hoechsten berg afrikas zu besteigen. Bis zu 4000 dollar ist manchem diese strapaze wert. Bei dem preis hat man dann allerdings auch sektfruehstueck bei sonnenaufgang auf knapp 6000 metern inklusive. naja, wer drauf steht... Ich kann mich nicht wirklich fuer sekt begeistern und wollte mich einfach mal nach einem normalen angebot umgehorchen, rund 1000 dollar haette mich meine variante der kili-besteigung gekostet. das erschien mir aber immer noch zuviel geld. Ja, ich weiss auch nicht, vielleicht haette ich es tun sollen, vielleicht aber auch nicht. Das ist immer so ne sache. Man muss einfach mit der entscheidung zufrieden sein, die man getroffen hat, statt immer etwas anderem hinterherzurennen. und so habe ich mich fuer den MOUNT MERU entschieden, den kleinen bruder des KILIMANJARO. Irgendwie taten mir auch die menschen leid, die ich zuvor beim reisen durchs land kennengelernt hatte, die ihr leben lang in einfachen lehmhuetten hausen muessen. Da dachte ich, das kann irgendwo nicht gut sein, fuer ein einziges kaestchen in der HIGHLIGHT OF TANZANIA – liste soviel geld zu berappen. Zumal viele tanzanier meinen: wieso kilimanjaro besteigen. Er ist doch da. Man sieht ihn doch auch so. Warum unbedingt raufklettern? – zwar hat mich dieses argument nicht wirklich ueberzeugt, jedoch hoerte es sich aus deren muendern isgendwie rein bzw wahr an.

eine weitere ansichtssache fuehrt uns nach KATESH, einer kleinen stadt am fusse des 3417 meter hohen MOUNT HANANG. Meinem buch zufolge ist mount hanang der vierthoechste berg tanzanias, meiner urkunde nach (immer wenn man in tanzania einen berg erfolgreich erklommen hat, bekommt man von seinem guide ein sog. Certificate) ist es jedoch tanzanias dritthoechster berg. Nun wie kommt dieser unterschied zustande, wie kann mein buch sagen, es handele sich um den 4.hoechsten berg, mein guide besteht jedoch auf den 3.hoechsten berg? Ich will mich nicht in den himmel loben, kann ich auch gar nicht, weil ich gerade mal den hoechsten berg deutschlands aus dem kopf kenne, die zugspitze, wobei ich bereits bei der aussage der hoehe ins stocken greaten wuerde. Ich tippe mal auf 2900 und noch ein paar meter? Den zweithoechsten weiss ich schon gar nicht mehr. Dann gabs da noch den brocken mit ca 1341 metern, aber der ist ja ddr-vergangenheit. Ich betrachte mich aber auch nicht als guide, als bergfuehrer. Ganz im gegenteil zu meinem guide hier in tanzania. Der muesste eigentlich im stande sein, die ersten zehn hoechsten berge der reihe nach aufzusagen. Nun, die ersten beiden schafft er auch, mount kilimanjaro und mount meru. Die wuesste ich auch. Und dann kommt er auch schon mit seinem mount hanang, was aber falsch ist. Das weiss er auch, das es falsch ist. Aber anstatt mal ein wenig nachzuforschen, warum denn alle buecher vom mount hanang als vierthoechsten berg sprechen, da macht er es sich einfach (wie auch viele andere seine landsleute) und spricht in seinem hoechstwichtig erscheinendem certificate von der nummer drei tanzanias. Nun ich will das raetsel mal aufloesen, der mount hanang ist tatsaechlich, oh wunder, der 4 hoechste. Die nummer drei geht an eine erhebung in der naehe des ngorongorokraters. Hier hat die nature terrassenfoermige landschaften hinterlassen, und die hoechste erhebung der obersten terrasse stellt eben den 3.hoechsten berg dar. Das war jetzt eher mal ein ausschweif in die mentalitaet der tanzanier, die die sachen eben mal so hinnehmen, wohingegen der deutsche doch eher enthusiasmus bei der wahrheitsfindung aufbringt. Der forschungsdrang kommt bei uns deutlich mehr durch. wir streben immer dazu, fragezeichen zu beseitigen, wohingegen die tanzanier eher gefallen an eben solchen zu finden scheinen. Einer sache auf den grund gehen, perfektionismus, berechenbar wie ein uhrwerk - das sind unsere werte.

Apropos uhrwerk. da haben wir naemlich gleich noch eine ansichtssache, eine art erfahrungsbericht eines tanzaniers, der in europa seine bekannten besuchte... der tanzanier charles, so hiess er, steht auf dem bahnhof in zuerich und wartet auf seinen zug. Planmaessige abfahrt 9 uhr 11. da sagt er sich, was ist denn das fuer ein quatsch! 9 uhr 11? wer laesst sich denn so einen unsinn einfallen, diese zeit kann sich doch keiner merken. Man haette doch 9 uhr 15 machen koennen... eine weile stunde spaeter sitzt er im zug und schaut gespannt auf seine uhr. Und genau in dem zeitraum, als sich der sekundenzeiger der vollendung der 11ten minute naehert, faengt auch der zug an, sich langsam in bewegung zu setzen. Und mit dem paukenschlag rollt der zug los und als charles erneut auf seine uhr schaut, ist es 9 uhr und 11 minuten. das ist doch wahnsinn, sagt er. das ist doch absoluter wahnsinn.

ansichtssache nummer vier: Und dann haben wir uns mit charles noch ueber eine andere sache unterhalten, und die nennt sich bus. In Tanzania faehrt der bus nicht eher los, ehe er nicht bis oben ran mit passagieren vollgestopft ist. Die fahrt muss sich ja schliesslich rechnen, weiss er zu bemerken. Aha, sage ich. Also in Deutschland ist das etwas anders, da faehrt der bus um 5 nach 7 los, ob ausser dem busfahrer noch jemand weiteres drin sitzt oder nicht, das soll die rolle nicht spielen. fakt ist es ist 5 nach 7 und der bus faehrt los. verkehrte welt.

ansichtssachen halt...


Posted by Sascha at February 26, 2008 06:19 AM
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