ich moechte euch dieses mal nicht von etappe zu etappe schleppen, sondern wir machen heute mal einen gemeinsamen ausflug zu den menschen, die einem hier so begegnen. das thema lautet daher: der andere pilgerer. ich habe mir drei davon herausgepickt und wuensche viel spass beim lesen.
nun was kann ich ueber unsere artverwandten berichten?
ich fange mal bei dem deutschen willi an. ihn haben wir an unserem ersten abend in der herberge in puente la reina kennengelernt. frueher war er frauenarzt im krankenhaus in baden-wuertemberg, heute ist er pensioniert. er laeuft den kompletten jakobsweg von den pyrenaen bis nach santiago mit einfachen latschen/sandaletten. er hat das ganze leben keine richtigen schuhe tragen, warum also dann hier? am zweiten und dritten abend haben wir ihn dann nicht getroffen, da war er uns anscheinend immer einen ort voraus. am vierten abend begegneten wir uns dann wieder in torres del rio. und danach war dann fuer eine ganze weile nichts mehr von ihm zu hoeren, oder von uns, je nachdem. am zehnten tage sollte er nun wieder aus der versenkung auftauchen. laura und ich laufen heute von burgos nach hontanas, es ist bereits nachmittag und auf dem camino trennt sich um diese uhrzeit die spreu vom weizen. laura zieht wie immer davon, und ich schluerfe in sicherem abstand 10 - 15 meter hinter ihr her. aber es gibt noch langsamere. wir naehern uns einem anderen objekt. von weitem sah es aus wie ein spanischer feldarbeiter, dem anscheinend der traktor kaputt gegangen sein muss, sodass er nun nach hause laeuft, die jacke uebers kreuz geschmissen. als laura auf gleicher hoehe ist, schaut sie kurz rueber zu dem fremden, um ihm buenos tardes zu sagen. sie schaut nicht richtig hin, nur halt so im vorbeigehen, kann dabei aber willis latschen ausmachen. dann schaut auch willi sie an, also praktisch schauen sie sich jetzt beide an, doch keiner weiss was er sagen soll. und da ich nicht nur heute hinter laura hinterher haenge, sondern ja eigentlich jeden nachmittag, dreht sich willi erstmal um zu mir. denn willi weiss natuerlich, wo laura vorne ist, muss sascha hinten dran kommen. von nun an sollten wir willi jeden abend in der herberge treffen.
als weitere pilgerer muessen wir natuerlich die polen nennen, eine polenmutter und ihre zwei soehne. man erkennt sie daran, dass ihnen die spanische kueche anscheinend absolut nicht zusagt. jaden tag nach dem wandern gehen sie naemlich erstmal in den naechsten shop und kommen vollbeladen mit lebensmitteln zurueck. diese werden dann in der herbergskueche nach ellen regeln der polnischen kochkunst zubereitet. und den tee trinken sie nicht aus einfachen tassen, sondern mueslischuesseln. auf dem jakobsweg hat man viel zeit und meine theorie ist die, dass ein normaler DIN-teebeutel in einer herkoemmlichen tasse ja gar nicht ausgelastet ist, sondern erst in einer groesseren schuessel den optimalen wirkungsgrad erreicht. ich gabe die frage weiter an ayman abdallah und seinem team von galileo (pro sieben).
und noch eine weitere pilgergruppe habe ich mir herausgepickt. es sind die zwei us-amerikanerinnen (beide um die 22 jahre ca., namen unbekannt). die eine davon schleppt die ganze zeit ihre digitale spiegelreflexkamera mit sich rum, um ja kein bild zu verpassen. sowas kann auch zu einer manie werden. auch sehe dort die gefahr, seinen urlaub gar nicht richtig wahrzunehmen, da man alles immer nur durch die eingeschraenkte kameralinse betrachten kann. und wenn man so viele wichtige fotos macht, wie unsere kleine amerikanerin, dann muss dieser datenmuell ja auch auf irgendeiner deponie gelagert werden. dafuer hat sie dann kleverer weise einen laptop mitgebracht, der von der zweiten amerikanerin getragen wird. so ein laptop plus ladekabel und akku und so wiegt natuerlich ganz schoen was. und waehrend ich mir in deutschland ueberlege, ob ich nun drei paar oder vier paar socken mitnehme, um evtl ein paar hundert gramm gewicht einzusparen, dann moechte ich nicht wissen, wieviele socken und schlueppern die amerikanerinnen wohl zu hause gelassen haben...