February 06, 2008

DAR ==> MBEYA

DAR ES SALAAM, tanzanias inoffizielle hauptstadt, ist fuer die naechsten zwei tage und naechte mein zuhause. das klima ist tropisch schwuel, als hafenstadt jedoch immer etwas luftig. der erste tag ist wie so oft fuer allgemeine besorgungen eingeplant. orientierung finden, geld wechseln, an alles um sich herum gewoehnen, klima, menschen, sprache, mentalitaet, essen, tourist sein, usw. alles erstmal auf einen einstroemen lassen. und natuerlich ein wenig die strassen im zentrum ablaufen, gucken, was aus der deutschen kolonialzeit noch uebrig geblieben ist. so zum beispiel eine baracke auf dem krankenhausgelaende, dort wo robert koch einst seine ersten versuche mit (bzw gegen malaria) ausprobiert hatte. ja ansonsten ist Dar, wie es die einheimischen nennen, eine laute, stinkige, stressige grossstadt, aus der so ein doerfler wie ich einfach nur raus will. zumal mich das sogenannte reisefieber noch nicht wirklich gepackt hat. aber das ging mir in mexiko ebenso, das laesst halt manchmal auf sich warten.

MBEYA, die viertgroesste stadt tanzanias, ist mein zweiter anlaufpunkt auf einer reise, bei der die eigentliche reiseroute noch in den sternen geschrieben steht. tanzania verfuegt ueber zwei eisenbahngesellschaften, mit jeweils unterschiedlichen schienenabstaenden. die aeltere "zentral linie" stammt noch aus deutschen zeiten und traegt die metrische norm. die neuere, von den chinesen finanzierte TAZARA (tanzania - zambia - railway- company) linie verbindet tanzania mit zambia und suedafrika und richtet sich daher nach englischen massen. in der praxis hat das dann logischerweise den nachteil fuer tanzania. das man beide linien nicht verbinden und somit effizienter nutzen kann... ich betrete nun also um 4 uhr nachmittags den tazara bahnsteig. als ich die ganzen afrikaner mit ihrem sack und pack sehe, fange ich ein wenig an zu zweifeln, ob es wirklich so gut war, nur ein 2.klasse-ticket zu kaufen, statt 1.klasse. ich bin naemlich davon ausgegangen, dass sich die afrikaner eh kein 2.klasse-ticket leisten koennen. als ich dann jedoch meine kabine gefunden habe ist ausser mir lediglich ein japaner im abteil. und so haben wir unsere 2.klasse fuer uns allein, wohin gegen mancher 1.klasse-reisender mit 4 mann auskommen muss. wir koennen mit dem japaner also schoen ausbreiten. ich meine, nichts gegen schwarze oder so, aber im selben abteil fuer die naechsten 30 stunden (ja, solange sollte es am ende dauern!!) waere dann doch ein wenig stressig geworden. das hat man naemlich abends gemerkt, als die tanzanier einfach nur am saufen und den ganzen zug auseinanderredern wollten.

wir fahren immernoch zug, durch inzwischen dunkle afrikanische landschaften, durch den selous national park (da verlaeuft die trasse genau durch). erst war es ziemlich schwuel, von stunde zu stunde kuehlt es sich jedoch ab, wir haben das fenster geoeffnet, bis es in stroemen zu regnen beginnt. ich quaele mich hoch und setze all meine kraefte ein, das fenster runterzuschieben, einen spalt nur noch offen. die afrikaner nebenan quasseln und saufen immernoch. meine ovopax (ohrstopfer) taugen nichts mehr, sind ausgenudelt. ich versuche es stattdessen mit musik, der mp3 player muss jetzt sein bestes geben und mich irgendwie in den schlaf bringen. doch schon um na vielleicht drei uhr morgens wache ich aus meinem halbschlaf auf. es liegt daran, dass sich unser zug die letzten paar stunden nur sehr langsam fortbewegt. es ruckelt immer so. mir kommt es vor als fahren wir einen meter, und federn wieder einen halben meter zurueck. es ist als schaukeln wir wie auf einem boot. im halbschlaf denke ich mir dann, man was muss das fuer eine ueberdimensionale faehre sein, auf die unser zug hier raufgefahren ist, und dann schiesst mir gleich der naechste gedanke durch den kopf, naemlich, was muss das dann erst fuer ein riesiger fluss sein, den wir hier ueberqueren, des nachts, in afrika? diese und noch mehr verrueckte gedanken lassen an mir zweifel aufkommen. ich schnelle hoch, kramme meine fahrradlampe hervor, und will es genau wissen. ich meine, was ist denn das jetzt hier. man traeumt ja die allerdollsten sachen heutzutage. vielleicht liegt es auch an meinem starken malaria-prophylaxe-mittel. der aha-effekt erobert weite teile meines gehirns - ein blick aus dem fenster verraet mir, wir fahren immernoch auf schienen, welche wiederum festen boden unter sich wissen. wahr ist jedoch, dass wir uns nur im schritttempo fortbewegen, und das auch nur ruckweise (was das schaukeln erklaert). beruhigt lege ich mich in meine koje und warte nun auf die dinge, die da kommen. bis um 5 uhr ging das dann noch so lustig weiter. dann hat sich der zug nicht mehr weiterbewegt. endlich habe ich meinen tiefschlaf gefunden. am naechsten morgen um 8 uhr gabs fruehstueck. lokschaden war angesagt, passiert wohl fast auf jeder fahrt, wie wir dann erfuhren. 6 stunden pause waren nun einzuplanen, bis die rettung aus dar es salaam kam, eine ersatzlokomotive wurde angefordert und hat uns dann bis nach mbeya geschoben.

MBEYA
ja, noch kurz was zu mbeya. aus dem zug kannte ich ein paaerchen aus daenemark. mit denen sind wir dann am folgetag ein wenig wandern gegangen, einen nahegelegenen kratersee besichtigen. die regenzeit macht sich langsam breit, sollte doch erst im maerz soweit sein, hhhm, na hoffentlich regnets nicht den ganzen urlaub ueber. am naechsten tag sind die daenen dann weiter nach malawi, ist nur noch eine stunde weiter richtung sueden. ich hatte erst ueberlegt, ob ich mit ihnen nach malawi reise und dann weiter nach mosambique, um letzten endes von dort aus wieder den bogen richtung tanzania zu machen. aber ich hab good bye gesagt und bleibe doch in tanzania. am naechsten tag bin ich dann noch alleine mit einem guide auf einen berg nahe mbeya gewandert, hat nicht allzu lange gedauert, halben tag vielleicht.

nach zwei tagen in und um mbeya kam der nomade in mir wieder durch und ich musste weiter. ich musste einfach wieder weiterziehen, die abgegraste steppe verlassen, um frische, bewachsene huegel aufzuspueren. so hatte ich mir am vorabend ein busticket nach iringa, 4 stunden weiter noerdlich, gekauft. um 7 uhr faehrt der bus los, so haben sie es zu mir gesagt. nocjhmal gedanklich einen schritt zurueck. wieder am vorabend. ich komme im hostel an, bereite alles fuer meine morgige, morgendliche abreise vor. gehe noch zur rezeption und will bezahlen, und meinen reisepass wiederhaben, aber weil soviel los war, oder es ihnen grad nicht gepasst hat, haben wir ausgemacht, das ganze auf den naechsten morgen zu verschieben. und ich sage noch "achtung, mein bus faehrt zeitig, es muss also alles klappen morgen frueh!" hhhm. genau so wars. wir springen zurueck zum morgen der abreise aus mbeya. ich warte an der rezeption mit gepackten koffern, abmarschbereitschaft hergestellt, bloss von den angestellten turnt keiner rum. nach ein wenig rufen und weiteren fuenf minuten klettere ich ueber den rezeptionsthresen und suche im schubfach nach meinem reisepass, den ich auch gluecklicherweise auf anhieb finde. die schubladen sind, wie aucbei horschte im buero, niemlas verschlossen, sicherlich weils einfach keine schluessel mehr gibt. ich werfe noch das geld auf den thresen und dann bin ich auch schon weg.

so meine lieben, fuer heute tun mir schon die finger weh vom tippen. hat sich aber gelohnt, wie ich meine. wir hoeren uns.


Posted by Sascha at February 6, 2008 04:18 PM
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