February 28, 2008

bergetappe

in meinem vorletzten evtl auch letzten beitrag ueber tanzania geht es um die bergwanderungen zum MOUNT HANANG sowie MOUNT MERU. ist ziemlich ausfuehrlich. geduld und interesse sind bei diesem reisebericht gefragt.

vorgeschichte, warum geht es heute eigentlich um bergtouren statt um safaris? dieser frage bin ich des oefteren auf meiner einmonatigen reise und die antwort lautet in etwa so: der faktor geld wuerde sicher beides, eine safari als auch eine bergtour, hergeben. jedoch bin ich etwas knauserig veranlagt und entscheide mich somit nur fuer eine sache. die safari ist es am ende nicht geworden, weil ich mir dachte (oder auch hab sagen lassen), ach mit 10 weiteren jeeps schoen nebeneinander aufgereiht, allesamt ihre volle aufmerksamkeit auf die drei loewen gerichtet, das kann so atemberaubend nicht sein, zumal man von einem tier zum naechsten gefahren wird. da liegen mir bergwanderungen schon eher, weil es was mit koerperlicher herausforderung zu tun hat...

die erste koerperliche herausforderung stellt nun der 3417 meter hohe MOUNT HANANG dar, an dessen fusse sich die kleine stadt KATESH niedergelassen hat. im reisefuehrer steht geschrieben, dass man fuer den berg EINEN langen tag einplanen sollte. Aha, es ist also an einem tag zu schaffen, sage ich mir. alleine ist mir das aber nix, also schaue ich mich im ort nach einem guide um. Thomas Safari heisst seine Ein-Mann-Firma (safari ist suaheli und bedeutet reise, genauso wie daktari der arzt ist). nebenbei erwaehnt ist thomas safari der bruder von francis robert naali, dem berlin-marathon-zweiten des jahres 1996 (2:09:33), versichert mir thomas. wir beginnen mit unserer bergwanderung bei meinem guesthouse in katesh um 06.30 uhr morgens. da es nur einen tag dauert, haben wir lediglich meinen rucksack dabei, gefuellt mit essen und wasser (so auch der camel-bag, den ich zum geburtstag bekommen habe, ist staendig im einsatz), sowie regensachen, weil man kann ja nie wissen... nach einer stunde kommen wir durch ein dorf durch, die kinder kommen uns entgegen, sie sind auf dem weg in die schule. so wie sie in suedamerika GRINGO oder in asien FALANG rufen, so bin ich hier der MZUNGU, und dementsprechend rufen sie eben immer mzungu, mzungu, was soviel bedeutet wie weisser mensch. das soll thomas und mich nicht weiter stoeren, wir wandern weiter. thomas zeigt mir dann immer einen einzeln stehenden baum, the single tree, der hoch oben am berghang steht. thomas sagt, dort oben werden wir eine groessere pause machen, mittag essen. bis wir den single tree jedoch erreichen, vergehen aber noch ein paar stunden. das wetter ist solala, kann sich zwischen guter und boeser wolke nicht entscheiden, ab und zu kommt nur die sonne durch. zum fotos machen komme ich nicht, zu anstrengend ist der stetige aufstieg. die wasserflasche haengt staendig am mund. ich denke, scheiss auf die fotos, die mach ich auf dem rueckweg. nach fuenf stunden haben wir dann unseren single tree erreicht, und freuen uns dass wir den rucksack nun um das mittagessen erleichtern koennen, jedes gramm weniger zaehlt. der single tree steht vielleicht auf ca 2800/3000 metern, die baumgrenze war eigentlich weiter unten, aber er hat sich aben hier verirrt. es ist bewoelkt und wir sitzen mit unseren bananen, orangen und reiskuchen eben in dieser wolke drin. dementsprechend ist es windig und nasskalt. ab und zu klart es auf, und wir koennen den hoechsten punkt des MOUNT HANANG ausmachen. weiter gehts, nicht zu lange warten, nicht zu kalt werden, wir haben noch ein gutes stueck vor uns. den rest des weges wandern und teilweise klettern wir nun am grat entlang, vorsichtig, nicht das einen der wind ueberrascht und man wird auf die andere seite des grates gewirbelt, wo es steil nach unten geht. nach insgesamt 7 stunden stetigen bergauf wanders ist das vorlaeufige endziel erreicht. wir stehen auf nicht unbedeutenden 3417 metern, an der spitze des MOUNT HANANG. der wind blaest uns um die ohren, eine wolke wechselt die naechste ab, fuer ca 2 minuten haben wir frieden. die wolken verziehen sich und wir geniessen den moment. und jetzt kommt der nachteil von einem berg. wenn man ganz oben am ziel angekommen ist, hat man gerade mal den halben weg hinter sich gebracht. zwar verlaeuft der abstieg meistens unspektakulaer und sehr viel leichter und schneller, jedoch nicht so in unserem beispiel. gerade als wir zum rueckzug aufbrechen, zieht eine gewaltige regenfront auf. und wenn ich gewaltig sage, dann meine ich das auch so. wir sind auf dem berg, auf 3400 metern hoehe und hier ist nicht mit dem wetter zu scherzen. so regnet es hier oben nicht aus einer regenwolke, sondern es hagelt. blitzschnell ziehe ich meine regensachen drueber und verpasse auch dem rucksack den noetigen wetterschutz. die naechste viertel stunde bete ich zu gott, dass ich hier bloss heil wieder runterkomme. und jetzt noch den ganzen weg wieder zurueck, oh mann. die naechsten zwei stunden gehoeren dann zu den schlimmsten stunden in meinem leben. es ist so kalt hier oben durch den hagel, der von allen windrichtungen auf mich einschlaegt, das ich es echt verfluche jemals diese afrikareise gebucht zu haben. wie svene schon sagt, man kann auch in oesterreich oder auf usedom urlaub machen. das soll wohl neuerdings auch moeglich sein. ganz langsam taste ich mich von felsen zu felsen herab, bloss nicht ausrutschen, abrutschen, bein oder arm umknicken, das waere fatal. also konzentriere ich mich. nach zwei stunden haben wir unseren ehemaligen mittagsplatz wieder erreicht. es regnet immer noch wie aus eimern. die gebirgigen passagen haben wir geschafft, jetzt geht es fuer die naechsten fuenf stunden durch matsch und schlamm, roten lehmboden und am ende auch wieder durch das dorf, in dem uns die kinder begegnet sind. als wir dort angekommen sind, ist die welt halbwegs wieder in ordnung. wir sind die letzten stunden in einer einzigen regenwolke gewandert, die sich wie eine glocke ueber den berg gelegt hat. vom dorf aus schaue ich auf den berg zurueck und mache drei kreuze das ich das ding heil nach hause gefahren habe. na ja, nicht ganz so heil. meine haende sind ein wenig zerschuerft, weil ich mich beim abstieg immer an straeuchern festhalten musste, um nicht zehn meter durch den schlamm nach unten zu rutschen. ach und meine schuhe haben diesen test natuerlich auch nicht ohne schaden ueberstanden. saemtliche naehte ringsrum sind aufgerissen und die rote lehmfarbe wird wohl noch eine weile fester bestandteil meiner schuhe bleiben. am naechsten tag habe ich sie aber erstmal beim schuhmacher abgegeben, wo sie sich einer grundreinigung sowie maengelbeseitigung nicht entziehen durften. wenn ich zurueckschaue, hat mir mount hanang zwar irgendwo gefallen, es war aber doch mehr eine einzige grosse katastrophe, die ich nicht noch einmal wiedererleben moechte.

die zweite bergerfahrung beruft sich auf den MOUNT MERU, der mit 4562 metern schon recht ordentlich ist. die planung bzw organisation der besteigung regele ich mit einem veranstalter in ARUSHA. es hat sich fuer mich etwas schwer angetan, diese bergtour zu buchen, da fast alle veranstalter touren zum kilimajaro, jedoch nicht zum meru hatten. so bin ich von veranstalter zu veranstalter gegangen, bin ich letztendlich einen gefunden hatte, der eine tour auf den meru anbieten konnte. neben mir kamen noch zwei weitere, lustige typen mit auf die tour, wi und nik, beide aus singapur. dann noch ein ranger, der uns die wilden tiere verjagen sollte, zwei guides (weil wenn einer von uns krank wuerde, koennte ein guide den kranken touristen nach unten begleiten, der andere guide den rest der touristen nach oben zum gipfel fuehren...), ein koch und 5 porter, die die verpflegung und das kochgeschirre, gasbrenner usw den berg hinaufschleppen. eine ganzes rudel setzt sich also in bewegung. wir starten am tag 1 um ca 12.00 uhr mittags. der weg fuehrt uns durch den arusha national park, vorbei an giraffen, antilopen und bueffelherden, die sonne scheint, die pfade sind ordentlich gepflegt, vor uns liegt der erloschene vulkan meru. und zum ersten mal zweifele ich, ob ich denn die safari wirklich so hasse, wie ich sie denn anfangs beschrieben habe. aber gegensatz zur jeep-safari mache ich ja im moment grad eine walking-safari - und das liegt mir ja eher immer n bisschen mehr. der erste tag ist nicht so anstrengend, das wetter ist warm, wir laufen durch wiesen, spaeter dann durch wald, kommen nach ein paar stunden im basiscamp auf 2500 metern an. die unterkuenfte am meru sind allesamt huetten, keine zelte. soll mich nicht stoeren. ein bisschen luxus ist schon ok.

der zweite tag beginnt ebenso relaxed. nach dem fruehstueck setzen wir uns in bewegung. wieder spielr das wetter mit. es ist sonnig, es ist warm, und doch ein wenig windig, erfrischend. dann kommen uns andere touristen entgegen (die ersten seit gestern), drei maedels, eine junge, allesamt englaender glaube ich. unser ranger unterhaelt sich im vorbeigehen mit ihrem ranger. nachher beim mittagessen fragen wir ihn, was der andere ranger gesagt hat. oh, er hat gesagt, das die gruppe es nicht bis ganz oben geschafft hat, sie mussten kehrt machen, da eines der maedchen hoehenkrank wurde. ah, wie interessant. na ja, mal sehen ob uns das auch passiert. nach insgesamt 5 stunden erreichen wir das zweite basislager, auf 3500 metern hoehe gelegen. wir machen kurz pause und klettern dann, zur besseren gewohnung an die hoehe, noch auf den sog. kleinen meru, 3800 m. an diesem zweiten tag legen wir uns, diesmal doch schon mehr erschoepft von der duenneren luft und dem anspruchsvollerem wandern, um 19.00 uhr ins bett. in den schlaf kommt so richtig wohl niemand in dieser nacht, da der wind draussen so stark blaest, dass die fenster und tueren immer wieder auf- und zuschlagen, und keiner von uns lust hat, aus seinem warmen schlafsack zu kriechen und die sache zu beheben. um 01.00 uhr morgens ist die nacht eh vorbei. es ist gipfelnacht. wir ziehen uns warnme, wetterfeste kleidung an, fliessmuetze und handschuhe, unterhose, zwei paar socken und essen kurz was zum fruehstueck. 5 stunden aufstieg sagt man uns vorher. um 6.30 uhr ist sonnenaufgang, bis dahin werden wir oben angekommen sein. knapp 1000 hoehenmeter mussen wir in dieser nacht zureucklegen. unser ranger geht vorneweg, ich reihe mich als zweiter ein, hinter mir, nik, dann wi, und am ende unsere zwei fuehrer. eine viertel stunde nach uns starten drei tschechen, mit ihrem gefolge. es ist vollmond, zum glueck, so ist es wenigstens nicht stockduster. unser ranger kennt den berg genau, das merkt man, er ist so trittsicher und weiss genau wo er den fuss hinsetzen muss. er ist die strecke schon hundertmal gelaufen. irgendwie scheint es mir, als wuerde er von einer unsichtbaren kraft geleitet, so wie die zugvoegel sich das magnetfeld der erde zugute machen, so hat auch er sein ganz persoenliches magnetfeld. meter um meter kaempfen wir uns voran. irgendwann werden die gut ausgebauten pfade durch mehr und mehr verschwommene, verwehte wegansaetze ersetzt. wir laufen am kraterrand entlang, der wind pfeift mit hoellischer kraft und eiseskaelte in unsere gesichter. ich habe in dieser nacht wieder den mp3-player dabei und lasse musik nebenher laufen, die ich eigentlich gar nicht hoere, weil der wind viel lauter und staerker ist. wir laufen ueber vulkanasche, rutschen immer wieder aus, kommen kaum voran, weil die asche so fein und der berg so steil ist. ein ander mal muessen wir uns ueber felswaende bis zum naechsten aschebett hangeln. auf einmal hat der wind nachgelassen, die nacht ist ruhig und hell, und die felswand reflektiert das mondlicht. ab und zu legen wir wasserpausen ein, viel trinken haben sie uns gesagt, ihr habt zeit. die letzte halbe stunde kann ich echt nicht mehr, bin total kaputt. ich weiss zwar dass ich es eh schaffe, weil es mir bis dato gut geht, doch habe ich echt keine kraft mehr, hundert meter noch. und dann ziehe ich den power-riegel hervor, den mir mecki geschenkt hat, und ich weiss nicht ob es der energieschub des power-riegels oder seine psychische wirkung war, die mich haben den gipfel erklimmen lassen. wir werden es wohl nie erfahren. aber um 06.20 stehe ich am hoechsten punkt des MOUNT MERU. die naechste halbe stunde nun schauen wir uns die szene an, wie die sonne mehr und mehr hinter dem kilimanjaro aufsteigt, die sicht ist top. alles ist top. es ist windstill. und doch sind meine fingerkuppen gefroren. ich bringe es nicht fertig, noch weitere fotos zu machen, da ich den ausloeseknopf nicht mehr betaetigen kann. erst spaeter, auf dem abstiegsweg kehrt langsam die durchblutung wieder in die fingerspitzen zurueck, als sie so doll kribbeln, dass ich nicht weiss ob ich heulen oder schreien oder was weiss ich was tun soll. der abstieg nun dauert noch ewig, von 4500 metern bis runter auf 1700 schaetze ich mal. die baeine laufen von ganz alleine, meine knie, ober- und unterschenkel tun mir auch tage danach noch weh. ich finde es schade, dass es die englaender nicht bis nach ganz oben geschafft haben, denn wie ich meine, wartet das schoenste teilstueck des MOUNT MERU eben erst am ende, sagen wir die letzten 4 stunden des aufstiegs. da kann man erst das richtige, vollkommene ausmass dieses enormen kraters bewundern. ja, 10 von 10 punkten fuer den meru. und kein bisschen reue, nicht den kilimanjaro miterlebt zu haben.

ja wie gesagt, ich weiss nicht ob ich noch mal dazu komme, ein weiteres kapitelchen ueber tanzania zu schreiben. im nachhinein war es mal wieder ein echt schoener urlaub, entschuldigung eine reise natuerlich. tanzania, das land des kilimanjaro, wie es sich schimpft. das land, in dem die biermarken auf die namen serengeti, safari oder kilimanjaro hoeren und die zigarettenmarke sportsmen heisst. mit diesen worten verabschiede ich mich vorerst und werde mir gleich noch den sonnenuntergang auf zanzibar, insel des friedens, live und ohne werbeunterbrechnung anschauen.


Posted by Sascha at February 28, 2008 12:30 PM
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