Wie angekündigt wollte ich ja noch mal etwas genauer auf das Abenteuer Bus in Südamerika eingehen.
Also noch mal schnell zurückgeschwenkt nach Quito, von wo aus ich vor anderthalber Woche auf der Panamericana Richtung Süden nach Latacunga gefahren bin.
In Südamerika zahlt man für eine Stunde Busfahren Pi mal Daumen US$ 1. Jeder Busfahrer hat einen Assistenten an seiner Seite. Dieser kümmert sich um so Sachen wie das Entgelt von den Fahrgästen einkassieren oder deren Gepäck auf dem Dach verstauen.
Wir fahren nun also die Panamericana entlang, immer Richtung Süden haltend. Muss man sich so vorstellen wie im Film. Am rechten Fahrbahnrand kann man den Gipfel eines Berges erkennen und auf der linken Seite gehts gleich neben der Fahrbahn den Hang steil nach unten. Doch damit nicht genug, Strassenbegrenzungen sind nicht wirklich der Renner, dafür gibt es aber umso mehr Schlaglöcher. Busse gehören zu den schnelleren Verkehrsteilnehmern. Folglich überholen wir scharenweise dieselverqualmte Laster und etliche Pick-Ups, auf deren hinterer Ladefläche mindestens fünf Personen draufstehen um bis zum nächsten Ort mitzufahren.
Eigentlich besteht die Strasse von Quito nach Latacunga an den meisten Stellen nur aus zwei breiteren Fahrstreifen. Allzuoft ist es aber nötig, einen dritten Fahrstreifen aufzumachen, nämlich um langsamere Fahrzeuge überholen zu können. Und wenn dann ein Bus einen Laster überholt und von vorne kommt dann noch ein anderer Bus oder Laster, dann wirds schon mal ein wenig spannend. Und wenn dann noch so ein Andenbewohner mit seinem Esel, Lama oder was auch immer am linken Strassenrand auftaucht, dann bete zu Gott, dass wir die nächsten Sekunden heil überstehen.
Immer wenn wir dann durch die Ortschaften durchbrausen, betätigt der Busfahrer als Vorankündigung die Hupe und sein Assistent hängt seinen gesamten Oberkörper aus der Tür und verkündet lauthals unsere Ziele "Ambato! Latacunga! Ambato! Ambato!". Ab und zu steigen dann welche ein.
Im Bus wird es immer voller. Die Leute steigen ein, mit Bananen, Kartoffeln, anderem Gemüse oder Kleinkindern bewaffnet, alles auf dem Rücken und alles in einem Tuch eingewickelt. Oder auch mit Körben oder Säcken beladen. Der Bus stinkt nach Diesel und ist unheimlich laut. Mit aller Gewalt versuche ich das Fenster zu öffnen. Ich schaffe es nicht. Mir ist schon ganz schlecht. Und dann das auf und ab in den Bergen. Und links und rechts die Hänge. Im Hintergrund schallen aus herunterbaumelnden Lautsprechern südamerikanische Klänge. Das ein oder andere Wort kann ich gerade so entziffern.
Der Busfahrer hat seinen Bus richtig schön geschmückt muss ich sagen, mit so blauen und roten Vorhängen vor den Fenstern, die Innenspiegel sind von einer Art Stoff in ähnlichen Farben eingepasst. An einer Wand hängt ein Poster von Che Guevara. Alles in allem ein riesengrosser Haufen Schikimikikram. Eben wie die Bärenschänke, nur halt auf Rädern - und der Bärenvater ist der Busfahrer.