ach, wie doch die zeit vergeht.nun sind wir mittlerweile bereits 3 wochen in spanien. laura und ich waren natuerlich die ganze zeit fleissig am laufen, laufen, laufen. und so ist es kein wunder, dass wir uns mittlerweile auf der zielgeraden befinden, d.h. wir haben nur noch knapp 130 km vor uns, was gleichzusetzen ist mit fuenf relaxten wandertagen. seit unserem letzten bericht mussten wir wieder etliche stunden sonne ueber uns ergehen lassen, was das wandern nicht einfacher macht. haetten wir das vorher gewusst, dass der sommer bereits so zeitig ausbricht, dann waeren wohl die hohen knoechelwanderstiefel sowie ein paar jacken nicht mit in den flieger gekommen. aber wir wollen uns mal nicht uebers wetter beschweren, schliesslich sorgt ein blauer himmel am ende doch fuer gute laune auf dem weg.
generell haben wir uns den aeusseren umstaenden angepasst. damit wir nicht in die knallige hitze kommen, stehen wir immer recht zeitig auf und verlassen die herberge meist gegen 6.30 uhr. nach zwei/drei stunden wandern brauchen unsere fuesse dann die erste pause, welche wir dann zugleich als fruehstueckspause nutzen. muesli rausholen, fruechte kleinschneiden, joghurt dazu - alles in einer tupperdose zu einer breifoermigen masse vermischen - fertig. danach wird wieder gewandert, 2 stunden in etwa, bis wir die naechste bar erreicht haben. laura trinkt immer eine art lemon und ich goenne mir schon mal ein bierchen. dann wieder socken und schuhe anziehen und los gehts zum endspurt, noch mal 2 stunden auf die piste. um 14 uhr haben wir dann meistens die herberge erreicht. noch schnell duschen, ein paar sachen waschen und dann wird erstmal relaxt. ab jetzt kann die sonne von mir aus scheinen soviel sie gerne moechte. sofern die hernerge ueber eine kueche und der ort ueber einen kleinen konsum verfuegen, kaufen wir meist ein paar lebensmittel und kochen uns selbst was. oftmals wollen wir aber auch die spanische kueche fuer uns kochen lassen und gehen in die bar im ort. ja, das ist so der grobe tagesablauf des pilgerers hier.
dann moechten wir noch ein paar eindruecke ueber die verschiedenen regionen in spanien berichten, so wie wir sie denn erleben durften. gestartet sind wir ja bekanntlich in pamplona. das liegt in navarra und gehoert zum baskenland. hier sind uns besonders die vielen restaurierten ortschaften aufgefallen. zumindest entlang des camino sind die strassen und haeuser hier in den doerfern sehr aufwendig, rustikal und geschmackvoll restauriert worden. da legen die basken anscheinend wert drauf. im anschluss daran durchquerten wir die region rioja, die ihren namen dem fluss rio oja zu verdanken hat. typisch fuer die region rioja waren natuerlich die weinfelder. tagelang haben wir nichts anderes gesehen. die weine dieser region sind sehr bekannt. bei horschte im weinlager findet man sicher auch eine flasche von hier. nach rioja haben wir auch bald die region burgos hinter uns gelassen, von der es so nichts bedeutendes zu berichten gibt. oft liefen wir an strassen oder autobahnen vorbei, dass laesst sich halt heutzutage nicht vermeiden, der camino muss sich unterordnen. auch waren die ortschaften hier ganz und gar nicht mehr so schoen und ansehnlich wie noch vor ein paar tagen. statt dachsteinen sieht man hier oft wellblech und die uralten, massiven tueren aus holz wurden schlicht weg durch neue stahlturen ersetzt - moderne spanische bauweise. und dann naeherten wir uns der meseta, die uns so schnell nicht mehr aus ihren zwaengen befreien wollte. die meseta ist eine scheinbar nie enden wollende ebene, wo sich links und rechts des camino nichts als riesige weizenfelder erstrecken. ein paradies fuer suizidgefaehrdete. die koennten sich hier die knarre an den kopf halten und keiner wuerde es je erfahren. eines tages war es dann soweit. wir laufen schon wieder den ganzen vormittag durch die meseta. alles sieht gleich aus. norden, osten, sueden, westen. der untergrund ist erneuert worden, besteht jetzt aus hellem splitt. der seitenstrfeifen ist bepflanst mit absolut identischen baeumen. der helle splitt blendet grell im sonnenlicht, die baeume tragen noch keine blaetter und die hoffnung auf schatten erlischt. es ist sowas von unglaublich eintoenig. erschwerend kommt hinzu, dass das teilstueck hier 13 km lang ist und dabei lediglich zweimal die richtung um nur wenige grad geaendert wird. ansonsten geht es hier ausnahmslos geradeaus. und dann passiert es. mein pilgerstab verhaspelt sich zwischen meinen fuessen und dem erdboden. und da ich ein harter hund bin und meine knochen noch viel mehr, halten diese dem druck stand und was da knackt, ist mein pilgerstab. an einem astloch hat er nachgegeben, musste der stetigen bewegung meiner beine platz machen. unspektakulaer und wenig geruehrt davon lasse ich ihn auf dem weg liegen und will nur noch raus aus der meseta. laura weiss ebenso eine geschichte aus der sonst so gehirnzermarternden, weil eintoenigen meseta zu berichten. sie kommt ja aus dem gastgewerbe, ist kneiperstochter und daher ruerig am thresen und in der kueche, hat immer ein wachsames auge fuer solche dinge. wir ueberqueren nun eine bruecke. im vorbeilaufen macht laura im augenwinkel eine entdeckung - liegen da etwa brote und baguettes im fluss? sie weiss nicht genau was sie davon halten soll. um ganz sicher zu gehen, macht sie einen schritt an den rand der bruecke, uebersieht hierbei die asphaltkante und knallt mit dem knie auf die strasse. zum glueck nicht in den fluss, wie ich meine. das knie ist ok, schmerzt aber noch ein paar tage. die hose lediert, muss mama flicken. wir setzen die reise fort. und weil die meseta so schoen langweilig ist, empfinden wir kleine erlebnisse als unheimliche kracher. an jenem tag laufen wir eine alte roemerstrasse entlang, calzada romana. wir wanderer hassen roemerstrassen, den sie sind von grund auf militaerisch und daher schnur stracks geradeaus. die heutige zieht sich ueber sage und schreibe achtzehnkommafuenfkilometer lang hin. doch ist das nicht schon strafe genug, ist der untergrund hier wie ein feldweg ueber und ueber mit steinen bedeckt, runde, halbrunde, ovale, groessere, kleine, golfbaelle, usw. das ist die pure durchblutungsfoerderung. doch die alten roemer wollen uns heute noch mehr aergern und es gesellt sich eine moskitoplage hinzu. auf fast der gesamten strecke wimmelt es an diesem tag nur so von moskitos. das wandern auf diesen steinen ist ohne moskitos schon schwer genug, muss man doch aufpassen, dass man nicht den falschen stein erwischt und umknickt. aber jetzt noch diese attacken. ich wedele mir mit meinem handtuch die viecher vor dem gesicht weg und laura hat sich mittels eines kopftuches komplett vermummt. man koennte annehmen, sie sei ploetzlich dem islam uebergetreten, und das auf diesem so ur-christlichen pilgerweg. eine weitere lustige geschichte erwartete uns an anderer stelle. wir sind mal wieder am laufen, als uns ein 84 jahre alter greis entgegenkommt. er hat eine anzugjacke an, die uebersaeht ist mit abzeichen oder anstecknadeln, er traegt eine komische brille und hat einen block in der hand. er bittet uns, dass wir einen vers in sein buch schreiben. jeden tag laeuft er hier lang und begruesst die pilger. als wir uns verabschieden wollen, zeigt der greis mit seinem finger auf die wange und guckt dabei auf laura. sie kann nicht wiederstehen und drueckt ihm ein kuesschen auf. dann guckt der alte und lacht schelmisch und fuehlt sich zwanzig jahre juenger. so langweilig die meseta sich auch anhoeren moechte, waren wir doch froh, dass wir sie erleben durften.
und mit dem verlassen der meseta verlassen wir auch das reich der geschichten. fuer heute solls mal wieder genuegen. ein artikel wird sicher noch folgen, der dort von bergen erzaehlt und vom zieleinlauf und so.
wegen bilder reinsetzen zieht sich noch ein wenig hin, da ich ja nur eine filmkamera dabeihabe und keine digitale... sorry.
ich moechte euch dieses mal nicht von etappe zu etappe schleppen, sondern wir machen heute mal einen gemeinsamen ausflug zu den menschen, die einem hier so begegnen. das thema lautet daher: der andere pilgerer. ich habe mir drei davon herausgepickt und wuensche viel spass beim lesen.
nun was kann ich ueber unsere artverwandten berichten?
ich fange mal bei dem deutschen willi an. ihn haben wir an unserem ersten abend in der herberge in puente la reina kennengelernt. frueher war er frauenarzt im krankenhaus in baden-wuertemberg, heute ist er pensioniert. er laeuft den kompletten jakobsweg von den pyrenaen bis nach santiago mit einfachen latschen/sandaletten. er hat das ganze leben keine richtigen schuhe tragen, warum also dann hier? am zweiten und dritten abend haben wir ihn dann nicht getroffen, da war er uns anscheinend immer einen ort voraus. am vierten abend begegneten wir uns dann wieder in torres del rio. und danach war dann fuer eine ganze weile nichts mehr von ihm zu hoeren, oder von uns, je nachdem. am zehnten tage sollte er nun wieder aus der versenkung auftauchen. laura und ich laufen heute von burgos nach hontanas, es ist bereits nachmittag und auf dem camino trennt sich um diese uhrzeit die spreu vom weizen. laura zieht wie immer davon, und ich schluerfe in sicherem abstand 10 - 15 meter hinter ihr her. aber es gibt noch langsamere. wir naehern uns einem anderen objekt. von weitem sah es aus wie ein spanischer feldarbeiter, dem anscheinend der traktor kaputt gegangen sein muss, sodass er nun nach hause laeuft, die jacke uebers kreuz geschmissen. als laura auf gleicher hoehe ist, schaut sie kurz rueber zu dem fremden, um ihm buenos tardes zu sagen. sie schaut nicht richtig hin, nur halt so im vorbeigehen, kann dabei aber willis latschen ausmachen. dann schaut auch willi sie an, also praktisch schauen sie sich jetzt beide an, doch keiner weiss was er sagen soll. und da ich nicht nur heute hinter laura hinterher haenge, sondern ja eigentlich jeden nachmittag, dreht sich willi erstmal um zu mir. denn willi weiss natuerlich, wo laura vorne ist, muss sascha hinten dran kommen. von nun an sollten wir willi jeden abend in der herberge treffen.
als weitere pilgerer muessen wir natuerlich die polen nennen, eine polenmutter und ihre zwei soehne. man erkennt sie daran, dass ihnen die spanische kueche anscheinend absolut nicht zusagt. jaden tag nach dem wandern gehen sie naemlich erstmal in den naechsten shop und kommen vollbeladen mit lebensmitteln zurueck. diese werden dann in der herbergskueche nach ellen regeln der polnischen kochkunst zubereitet. und den tee trinken sie nicht aus einfachen tassen, sondern mueslischuesseln. auf dem jakobsweg hat man viel zeit und meine theorie ist die, dass ein normaler DIN-teebeutel in einer herkoemmlichen tasse ja gar nicht ausgelastet ist, sondern erst in einer groesseren schuessel den optimalen wirkungsgrad erreicht. ich gabe die frage weiter an ayman abdallah und seinem team von galileo (pro sieben).
und noch eine weitere pilgergruppe habe ich mir herausgepickt. es sind die zwei us-amerikanerinnen (beide um die 22 jahre ca., namen unbekannt). die eine davon schleppt die ganze zeit ihre digitale spiegelreflexkamera mit sich rum, um ja kein bild zu verpassen. sowas kann auch zu einer manie werden. auch sehe dort die gefahr, seinen urlaub gar nicht richtig wahrzunehmen, da man alles immer nur durch die eingeschraenkte kameralinse betrachten kann. und wenn man so viele wichtige fotos macht, wie unsere kleine amerikanerin, dann muss dieser datenmuell ja auch auf irgendeiner deponie gelagert werden. dafuer hat sie dann kleverer weise einen laptop mitgebracht, der von der zweiten amerikanerin getragen wird. so ein laptop plus ladekabel und akku und so wiegt natuerlich ganz schoen was. und waehrend ich mir in deutschland ueberlege, ob ich nun drei paar oder vier paar socken mitnehme, um evtl ein paar hundert gramm gewicht einzusparen, dann moechte ich nicht wissen, wieviele socken und schlueppern die amerikanerinnen wohl zu hause gelassen haben...
begruessung:
hallo leute.
einfuehrung/allgemeines:
ein jahr ist nun vergangen und es ist wieder februar/maerz - und damit reisezeit. doch packe ich diesmal die koffer nicht alleine, sondern werde meine erlebnisse gemeinsam mit meiner freundin teilen, denn laura sagte sich, sienutzt die semesterferien mal etwas anders und kommt einfach mit mir mit. und das freute mich natuerlich umso mehr. denn die eindruecke waehrend einer reise lassen sich wohl besser verarbeiten, wenn man zu jeder zeit eine zweite meinung ueber die dinge abfragen kann.
als reiseziel sind uns im vorfeld viele laender durch den kopf geflogen. die ganz grossen namen sind gefallen, so zum beispiel indien, vietnam, mexiko, kuba, aethiopien, indonesien, um nur einige zu nennen - doch durchgesetzt hat sich am ende der norden von spanien (fuer meine begriffe also eher ein naherholungsgebiet), um genau zu sein der jakobsweg.
viele sind ihn schon gelaufen, in der letzten zeit vielleicht zu viele, als dass man behaupten koenne es sei nun was besonderes. aber wir wollten ihn trotzdem gehen, den camino de santiago, an unsere grenzen soll er uns fuehren, die koerperlichen vorerst. ob er uns auch seelisch beeinflussen wird, koennen wir zum jetzigen zeitpunkt noch nicht vorhersagen.
jakobswege gibt es viele. sie haben christlichen ursprung und sind daher in vielen europaeischen laendern zu finden. doch wo sie auch beginnen moegen, ob vor der haustuer, beim koelner dom oder in einem verlassenen dorf in den alpen, immer vereinigen sie sich irgendwo und fuehren am ende nur zu einem punkt - nach santiago de compostela.
die reise an sich:
TAG 0 SCHLENZER - PAMPLONA: wir haben unseren jakobsweg in pamplona begonnen. mit dem flieger von tegel ueber madrid, hier anderthalb stunden zwischenstop, die sonne knallt, von laura kommt die erste beschwerde, dass ich die sonnenbrille unbedingt in deutschland lassen wollte, dann weiterflug mit der propellermaschine (wir kommen uns vor wie businessleute oder journalisten) nach pamplona.
hier empfaengt uns eiskalter hagelregen bei ungheurem wind. in pamplona zwingen wir uns foermlich zu einer kleinen stadtbegehung trotz des wetters, da wir ja nun mal hier sind. unterkunft hatte ich von deutschland aus gebucht, da wir noch keine pilger sind, schliefen wir eben nicht in der pilgerherberge sondern in einem hotel. vom stadtzentrum zum hotel brauchten wir abends eine halbe stunde per fuss. ich hatte keine muetze dabei (lag im hotel), sandz hatte vor kurzem erst meine haare geschnitten, mir waere also fast der kopf abgefroren. zurueck im hotel brauchte ich eine virtelstunde unter der dusche um ansatzweise wieder aufzutauen.
TAG 1 PAMPLONA - PUENTE LA REINA: wir verlassen unser hotel um 9 uhr morgens und ehe wir den richtigen pfad gefunden haben ist es dann irgendwann 10 uhr. ab jetzt richtet sich unser weg also nur noch nach den gelben pfeilen, die an hauswaenden, buergersteigen, baeumen, schildern, steinen, einfach ueberall angezeichnet sind. wir kommen an der unversitaet von navarra vorbei, im sueden pamplonas, hier holen wir unsere pilgerpaesse raus und lassen uns den ersten stempel eintragen. langsam entfernt sich die stadt immer mehr von uns, und mit dem frischen stempel im pass fuehlen wir uns endlich wie richtige pilger. dieser erste tag hat es gleich mal in sich und fordert von uns auf den naechsten kilometern sehr viel geduld und muskelkraft. denn es geht bergauf. wir muessen einen ca 750 meter hohen pass ueberqueren. und da wir uns nicht allzu weit von den pyrenaen befinden, herrscht hier oben noch winter. der weg ist teils steil und verschneit, der wind pfeift uns um die ohren, je hoeher wir kommen desto mehr nimmt das ganze zu. als wir die passhoehe erreicht haben, sieht der weg nach unten nicht viel angenehmer aus. hier auf de suedseite ist der schnee zwar schon etwas getaut, hinterlaesst afuer abr eine rutschpartie aus matschigem lehmboden. meinen, ueber die knoechel reichenden schuhen ist das egal, aber laura trekking-halbschuhe koennen dem nicht standhalten und sind am ende durchnaesst. im tal angekommen ist das wetter nicht mehr stuermisch, laura wechselt die socken und die naechsten zehn kilometer machen dann auch richtig spass. die schuhe laufen wir wieder trocken. wir kommen erschoepft in puente la reina an, goennen uns das erste pilgermenue (vorspeise, hauptgericht, nachspeise, flasche rotwein) und schlafen gluecklich und genaehrt in unserer pilgerherberge ein.
TAG 2 PUENTA LA REINA - ESTELLA: das wetter scheint nun langsam besser zu werden, aber die sonne sollen wir heute wohl noch nicht sehen. folglich waren die wege immer noch sehr matschig, schlammig, aufgeweicht. das macht das wandern schwer. unterwegs holen wir einen anderen pilgerer ein, einen kanadier. von der gangart her haette man auf einen braunbaer schliessen koennen. als wir uns dann mit ihm unterhalten, verraet er uns, dass ihm schlechthin die motivation fehle. was seine schlaefrige, trottige gangart erklaert. wir muessen an dieser stelle hinzufuegen, dass wir diesen weg auch nicht alleine haetten gehen wollen, das waere auch uns zu langweilig, aber zusammen, zu zweit ist es was anderes. ausser dem kanadischen braunbaer gibt es von diesem tag keine weiteren highlights zu berichten, ausser dass der gesamte weg eben eine einzige rutschpartie war.
TAG 3 ESTELLA - TORRES DEL RIO: heute soll uns die sonne empfangen. nach einem lausigen fruehstueck, wo wir uns zwischen knaeckebrot und zwieback entscheiden muessen (man ich komm mir vor wie hannah, wenn sie krank ist), kommen wir zunaechst an einer weinkelterei namens bodegas irache vorbei. hier hat die kelterei fuer die pilger sowohl einen wasserhahn als auch einen weinhahn aus dem gebaeude geleitet (als kostenlose wegzehrung). nur leider kam an diesem tag noch kein wein aus dem hahn. der weg fuehrt uns weiter nach suedwesten, immer weiter richtung santiago, die weinfelder links und rechts nehmen mit jedem kilometer zu, wir kaempfen uns mit mittlerweile ausgedoerrtem magen nach los arcos (bis dato 22 km gelaufen). hier machen wir siesta und essen mittag. anschliessend geht es weitere 8 km nach torres del rio. die sonne brennt lustig weiter. es ist soweit unsere laengste etappe. zugleich aber auch eine der schoensten, denn der jakobsweg fuehrte hier durch wunderschoene landschaften.
TAG 4 TORRES DEL RIO - VENTOSA: heute morgen nehmen wir als erstes den bus ins 20 kilometer entfernte logrono.von dort aus gehen wir zu fuss weiter. so laufen wir heute nur eine kurzstrecke (22 km). laura laeuft die ganze zeit ca. 500 meter vor mir, am ende sogar mehr. mir tuen heute naemlich die fuesse weh vom anstrengenden marsch gestern. laura kann da anscheinend nicht mitreden. aber sie hat andere probleme, wie sich bald herausstellen duerfte. die herberge in ventosa dann setzt neue massstaebe. das wort herberge wird hier sehr wohl augewertet (vanilleraeucherstaebchen im empfangsraum, geraeumige schlafzimmer, kueche und bad alles tip top sauber). jutta, die herbergsmutter, erzaehlt uns abends als wir vor dem kamin sitzen, dass sie ja diese herberge lediglich voruebergehend fuehrt und ihre eigene herberge 25 km weiter auf dem jakobsweg in ciurenela liegt. oh, nein, schreit laura auf, denn wir hatten uns vorher unseren reisefuehrer durchgelesen und unser morgiges etappenziel fuer eben diese herberge in ciurenela festgelegt. aber das faellt ja nun aus.
TAG 5 VENTOSA - SANTA DOMINGO DE LA CALZADA: so gemuetlich wie der abend in der herberge zuende ging, faengt er diesen morgen an. so erklimmen aus den deckenlautsprechern in unserem schlafzimmer gregorianische choraele. da heben selbst die ovopax die haende. der heutige tag wird sehr lang und aufgrund desen, dass juttas herberge in ciurenela geschlossen ist, muessen wir noch 5 km dranhaengen und kommen abends um 5 nach wahnsinnigen 32 km in santa domingo an. als wir in unsere herberge, die der bruderschaft des japanischen drachen angehoert (von den pilgerfreunden aus japan gegruendet), eintreteten wollen, muessen wir zunaechst mal parade stehen fuer ein paar touristen, die da ein foto von uns machen wollen. klar machen wir den spass mit, wundern uns nur bis heute, warum denn gerade wir auf dem foto sein mussten?!
TAG 6 SANTA DOMINGO DE LA CALZADA - BELORADO: also erstmal heisst das nicht belorado, sondern bei mir eldorado. und zweitens kommen wir jetzt endlich zu lauras problemchen, wie vorher angekuendigt. zum wandern ansich gibt es auch heute wieder einen hoehepunkt, wenngleich einen negativen, da der camino naemlich so gut wie ausschliesslich neben der sehr befahrenen bundsstrasse entlanglaeuft. diese verbindet logrono mit burgos und wird daher von lkws nur so heimgesucht. um uns das wandern ein wenig zu erleichtern, haben wir dann eine verkehrszaehlung veranstaltet. fazit: auf jeden pkw kommen 5 lkw. und auf uns pilger bezogen bedeutet dass: auf jeden pilger kommen 20 lkw. ziemlich nervig. endlich in belorado angekommen, gehen wir zum arzt. mit haenden und fuessen versuchen wir lauras rot befleckte fuesse zu beschreiben. diagnose: alergico (allergie gegenueber pestiziden, die in den weinfeldern gespritzt werden). abends wollen wir in der herberge unsere dose chili con carne zubereiten, da entgegnet uns die herbergsmutter nur, sowas bekomme noch nicht mal ihr hund zu fressen! uns so bereitet uns ihr mann life am kaminfeuer eine kleine kostprobe der hiesiegen wurst- und fleischspezialitaeten zu.
TAG 7 BELORADO - ATAPUERCA: heute fuehrt uns der camino auf ueber 1000 meter hoehe, laufen ewig einen waldweg entlang. ich bekomme noch einen anruf von blam (r. rolke, niendorf), da er ein paar stehtische fuers wochenende reservieren wollte. ich sage alles klar, bitte bei horschte abholen. dann ist auch der ewige waldweg irgendwann zu ende und mit jedem schritt machen wir uns mut, dem endziel naeher zu kommen. in atapuerca dann gibt es drei restaurants. im erstenessen wir ein paar pinchos (tapas), dann wollen wir weiterziehen ins zweite. hier ist die tuer geoeffnet, wir treten ein, die tuer faellt ins schloss, aber niemand ist im restaurant, kein kellner kein koch, nur von der oberen etage hoeren wir stimmen, ich rufe hola, niemand hoert uns, wir wollen wieder raus gehen, doch die tuer ist verschlossen, wir ruetteln, nichts passiert. es dauert ein wenig dass wir den elektrischen schalter finden, der uns wieder in die freiheit entlaesst. im dritten lokal dann verspueren wir heimischen flair, denn das restaurant erinnert uns ans kino-cafe-bar bei tommi in dahme, mit allem drum und dran.
wir habens gleich geschafft
TAG 8 ATAPUERCA - BURGOS: heute laufen wir nur 14 km, da werden wir nicht mal richtig warm, unsere beine fuehlen sich ein wenig verarscht. von einem vorort aus nehmen wir den bus in die city, um industrie- und gewerbegebiet zu umgehen. burgos selbst wartet auf mit einer top-herberge. nagelneu und futuristisch, fuer nur 3 euro pro person. die stadt hat alles was ein touri-herz so braucht, alter stadtkern, viele geschaefte, lebendig und sehenswert, viele bars und cafes, nah all dem dorfgelatsche fuehlen wir uns in diesen sphaeren auch mal wieder wohl.
schlussformel:
egal wie das wetter wird und was die tage mit sich brnigen: der weg ist das ziel!
muchas gracias. hasta luego.