February 11, 2006

Vier Wochen Kambodscha

angkor.JPG

Zum Foto:

Das Foto zeigt einen Ausschnitt des Ta Prohm Tempels, einer der vielen Tempel vom Angkor-Komplex. Auch wenn ihr von Angkor vielleicht noch nicht viel gehoert habt, koennt ihr evtl etwas mit dem Film Lara Croft: Tomb Raider anfangen. So wurden einige Szenen in diesem Tempel gedreht.


Zur Sache:

Wow, vier Wochen sollen es nun schon wieder her sein, dass ich die Scherereien mit den korrupten Grenzbeamten hatte und in Kambodscha eingereist bin. Folglich laeuft wohl mein 1-Monats-Visa irgendwann in den kommenden 48 Stunden aus, wenn es dann heisst, auf zum Strand nach Thailand. Doch zunaechst mal eine mittelschwere Zusammenfassung der letzten vier Wochen.

Seid ihr bereit? Die letzten vier Wochen habe ich zwar in komprimierter Form aufgeschrieben, trotzdem wurden es fuenf DIN A4 Seiten. Wer also nur eine kurze Mittagspause hat, sollte die Idee des 'kurz mal Nachlesen'gleich wieder verwerfen.

Mit der Einreise in ein neues Land beginnt fuer mich auch immer ein neues Kapitel. Mit dem neuen Stempel im Pass schliesst man mit dem einen Land ab und laesst sich die ersten paar Stunden oder Tage von den Sitten und Braeuchen des neuen Landes einfach mittreiben. Symbolisch habe ich deswegen fuer Kambodscha ausnahmslos Schwarz-Weiss-Filme verwendet. Ob dies die falsche Entscheidung war und ich mich deswegen zu Tode aergern werde oder ob es dieses von Krisen geschuettelte Land nur noch besser darstellt, wird sich zeigen, wenn die Fotos vom Entwickeln zurueck sind.

Das erste Foto mit dem 24er s/w Film habe ich dann am naechsten Tag geschossen. Es handelt von einem See, welcher durch einen Meteoriteneinschlag vor etwa 700.000 Jahren entstanden ist. Glaubt man den Aussagen der Einheimischen, ist der Yak Lom Lake in der Mitte an die 20 Meter tief, am Rand immerhin noch zwei, drei Meter. Dazu kristallklares Suesswasser bis auf den Grund. Wenig Touristen finden den Weg hierhin nach Rattanakiri, in diese abgelegene, nordoestlichste Provinz des Landes. Yak Lom Lake erhaelt von mir den Preis fuer das beste Schwimmen in Kambodscha.

Und wo wir schon mal den Hintereingang nach Kambodscha benutzt haben, wollen wir doch nicht gleich in die Touristenzentren von Phnom Penh oder Angkor eilen, sondern reisen noch ein wenig in den entfernteren Gegenden. So ging es als naechstes nach Sen Monorom in der Provinz Mondulkiri, ganz im Osten des Landes. Hier haben wir (also 'wir' das sind der Robin, die Marlene, beide aus Berlin und meine Wenigkeit; den Robin und die Marlene kannte ich schon von Laos, wo wir uns alle 10, 14 Tage zufaellig ueber den Weg gelaufen sind; am Yak Lom Lake habe ich sie dann wiedergetroffen und da haben wir uns gesagt 'Moment mal, das macht hier alles ueberhaupt keinen Sinn. Staendig sehen wir uns wieder. Da koennen wir ja auch gleich zusammen reisen.') uns an einem Tag Motobikes ausgeliehen, um die Umgebung zu erkunden. Das 'Motobike ausleihen' an sich hat uns enorm viel Zeit gekostet. So funktionierten die Dinger entweder von Anfang an nicht oder gaben nach den ersten fuenf Kilometern den Geist auf. Immer hatten sie irgendeine neue Macke. So hat es eine Weile gedauert, dass wir die richtige Kombination Motobikes hatten. Am Ende musste ich mir das werkstatteigene Motobike ausleihen, eine Art Schwalbe-Sperber-Star-Marke-Eigenbau-zusammengeschustertes Teil. Fuer den zweiten Tag haben wir uns fuer eine Dschungel-Trekking-Tour angemeldet, wir drei und ein Guide. Eigentlich war es mir von vornherein klar, doch wollte ich es wahrscheinlich nur noch mal bestaetigt wissen, dass Dschungel-Trekking-Touren nicht mein Ding sind. Wie auch schon bei der Dschungel-Trekking-Tour in Thailand ist es einfach nur schwuelwarm, das Wasser laeuft mir in Stroemen auf der Stirn, man muss sich durch das Dickicht hindurchwuerschteln, unter herunterhaengenden Lianen und umgefallenen Bambusbaeumen drunter weg krauchen, man macht sich mistig ueberall, laeuft die Haenge bergauf and wieder bergab, manchmal rutscht man aus, kann sich nirgends festhalten ohne Ameisen oder Splitter in der Hand in Kauf zu nehmen, man sieht ueberhaupt nichts von der Landschaft ausser dichten Wald und keine Tiere. Zur Belohnung kommt man dann entweder an einem Wasserfall oder einer Hoehle vorbei. So viele Wasserfaelle und Hoehlen wir hier in Asien habe ich in meinem Leben noch nicht gesehen. Beim hundertzwoelften Wasserfall habe ich aufgehoert zu zaehlen... irgendwann wird's langweilig. Mag sein, dass ich trotzalledem doch ein s/w Foto an diesem Tag geknippst habe, seitdem ich ja nicht auf der Suche nach dem perfektem Bild bin, sondern ja eher die einzelnen Stationen meiner Reise dokumentiert sehen will.

Von Mondulkiri haben wir uns dann verabschiedet und auf dem Weg zur Hauptstadt einen weiteren Zwischenstop, in Kampong Cham, eingelegt. Dass Kampong Cham der drittgroesste Ort in Kambodscha ist, laesst sich nur schwer erahnen. Gerade mal eine Hand voll Gaestehaeuser und genauso wenig Restaurants, noch langsameres Internet und keine einzige Ampelkreuzung sprechen eher dagegen. Da kann auch die nagelneue, von den Japanern finanzierte, Betonpfeilerbruecke ueber den Mekong nur wenig an meiner Auffassung aendern. Was haben wir so waehrend der zwei Tage dort gemacht? Einmal sind wir zum Beispiel hinueber auf die Insel gegangen, Beine vertreten. Hierzu mussten wir die Bambusbrueckenkonstruktion ueberqueren. Dabei habe ich mich gefragt, was mit dieser, nur fuer Fussgaenger oder Zweiradfahrer geeigneten Bruecke wohl waehrend der Regenzeit passiert? Ob sie sie dann von Hand demontieren, um sie am Ende der Monsoon-Regenzeit wieder muehsam aufzubauen?
Ein anderes Mal sind wir am Ufer entlang gelaufen (weil manchmal kommt es naemlich vor, das da recht gute s/w Fotos 'am Ufer herumliegen'), was uns zu den Slums brachte. Sofort kamen Kinder angerannt, wollten Geld haben, was wir abwehrten. Dann stand eine aeltere Frau vor uns, streckte uns ihren gruen und gelb angelaufenen Unterarm entgegen. Dazu hielt sie das Handgelenk in einer unnatuerlichen Position, voellig dick angeschwollen. Ich als Laie bin sofort von einem gebrochenen Arm/Handgelenk ausgegangen. Da Robin aber, wie er selbst behauptet, Krankenschwester ist, hat er sich dem Problem dieser enormen Prellung zugewendet. So schickt er Marlene und mich erstmal los, um Eis zum Kuehlen und Tiger-Balsam (asiatisches Allheilmittel, eine Art China-Salbe) zu besorgen. Als wir wieder zurueck sind, sitzen Robin und die aeltere Frau im schuetzenden Schatten des Bambusvorbau. Zwei, drei weitere Frauen hatten sich dazu gesellt und schauen unserem Medizinmann ueber die Schulter. So wird der Unterarm mit ein wenig Tiger-Balm eingeschmiert, welches kuehlt, beruhigt und die Durchblutung anregt, und die ganze Geschichte bekommt einen ordentlich angelegten, sauberen Verband mit Dreieckstuchfunktion um den Hals, um die Muskeln im Arm zu entlasten und ihn ruhig zu stellen. Am Ende der Show koennen wir nicht mehr viel fuer sie tun, ausser hoffen, dass die Frau Robins Ratschlaege annimmt und die naechsten Tage den Arm nicht belastet. Ob sie sich das leisten kann, wissen wir nicht. Muss sie doch arbeiten, um nicht zu verhungern. Sie haben sich allesamt jedoch herzlich bei uns bedankt und sehen in Robin sicherlich einen Wunderheiler.

Mit Phnom Penh, der Hauptstadt Kambodschas, stand dann nach einer Woche das erste, groessere Touristenzentrum des Landes an. Wir haben die Stadt von zwei Seiten her kennen gelernt. Die eine war die, wie sie jeder Tourist erlebt. Man nimmt sich ein Zimmer in einem Gaestehaus nahe des Sees, an der Lakeside sozusagen. Dann guckt man sich ein wenig die Stadt an, geht auf den Central oder Russian Market (um einfach nur zu stoebern oder um ein paar Souvenirs zu ergattern). Desweiteren besucht der normale Tourist sicherlich auch das Genozid-Museum oder die Killing Fields (in der Zeit von 1975 bis 1979 wird das Land von der Khmer Rouge regiert; sie besetzen die Stadt Phnom Penh und deren Anfuehrer, Pol Pot, erklaert das Jahr Zero; Democratic Kampuchea wird gegruendet; die Khmer Rouge wollen das Land in ein Agrarland umformen, jene alte Kulturen werden nicht anerkannt; Familien werden auseinander gerissen; Menschen werden wahllos von der Stadt in neue Doerfer umgesiedelt und zu Zwangsarbeit gezwungen; jeder Regimegegner UND jeder potentielle Regimegegner, so z.B. Lehrer, Doktoren, Moenche, wird in ein Sicherheitsgefaengnis, in welchem heute das Genozid-Museum untergebracht ist, gesteckt, auf brutalste Weise gefoltert und spaeter in Massengraebern ausserhalb der Stadt, sogenannte Killing Fields, begraben; in jenen vier Jahren haben die Khmer Rouge an die zwei Millionen Menschen ermordet, was einem Fuenftel der damaligen Bevoelkerung entspricht). Wenn man dann wieder zurueck im Gaestehaus ist, werden diejenigen, die rauchen, erstmal eine (oder vielmehr EINEN) rauchen. Da Marlene jedoch eine Freundin kennt, die momentan hier in Phnom Penh fuer eine Hilfsorganisation arbeitet, konnten wir die Stadt auch von dieser Seite her betrachten. So haben wir an einem der Abende zum Beispiel eine Art Barbeque auf der Terrasse ihrer Dachgeschosswohnung veranstalten koennen. Nachdem wir uns an zwei Tagen Motobikes ausgeliehen haben, um in der Stadt herumzufahren, und dabei aus mir unerfindlichen Gruenden nicht ums Leben gekommen sind (ich verstehe das nicht; die Fahrzeuge, gleich welcher Art, schossen von ueberall her; links, rechts, von vorn direkt entgegen; eigentlich haette es mich mindestens drei mal erwischen muessen?!), haben wir uns wieder auf den Weg gemacht, die Stadt hinter uns gelassen.

So rauscht der Grossteil der Touristen direktamente von Phnom Penh bis Siem Reap (Ausgangspunkt fuer den Angkor-Komplex) an einem Tag durch. Auf Deutschland bezogen, bedeutet das, dass man von der Love-Parade in Berlin am naechsten Tag gleich weiter faehrt, um sich das Oktoberfest in Muenchen anzuschauen. Das faenden wir ein wenig zu heftig, und so haben wir die Strecke mal wieder zweigeteilt, einen Zwischenstop in Kampong Thom eingelegt. In Kampong Thom liehen wir uns, ihr koennt's Euch bestimmt schon denken, Motobikes aus. Eine Stunde weiter noerdlich befinden sich dort so ein paar Tempel, die es sich lohnt anzuschauen, bevor man nach Angkor faehrt (wie wir es vorhaben), damit man Angkor wohl besser verstehen kann... Wie schon so viele Male davor, habe ich von Tempeln nicht so die Ahnung, finde sie aber dennoch recht interessant. Was mir bei diesen Tempeln nahe Kampong Thom jedoch besonders auffiel, war das sie ausnahmslos zerstoert waren, fast vollstaendig in Ruinen lagen. Die Kinder, die dort rumspielten, erklaerten uns, dass dies durch die Bomben der Amerikaner in den 60er Jahren (Vietnam-Krieg) und ein Jahrzehnt spaeter durch die Aktionen der Roten Khmer (spaeter mehr) herbeigefuehrt wurde.

Am naechsten Tag ging es von dort aus weiter nach Siem Reap, dem Ort, der der Ausgangspunkt fuer die Erkundung der Tempel von Angkor ist. Eigentlich muesste ich fuer Angkor einen einzelnen Eintrag verfassen, ja ein Buch beinahe, so atemberaubend ist dieser historische Ort.
Kurzer Schweif zurueck in tausend Jahre alte Vergangenheit: Das Koenigreich Kambujadesa weitet sich ueber grosse Teile Suedostasiens aus. Es ist die Bluetezeit der Khmer-Zivilisation, aehnlich dem Inka- oder Roemischen Reich. In der Zeit von 1113 bis 1150 steht ein Koenig namens Suryavarman II an der Spitze. Dieser beschaeftigt zig tausende von Menschen fuer den Bau des bis heute groessten religioesen Bauwerks der Welt, dem Bau von Angkor Wat. Nach seinem Tod geriet das Koenigreich immer wieder unter Druck, wird in Kriege verwickelt und zerfaellt teilweise. Erst dem Koenig Jayavarman VII gelingt es, dass Koenigreich wieder zu vereinigen, was zu einem erneuten Boom im Tempelbau fuehrt. Nach seinem Tode faellt das Koenigreich dann langsam wieder auseinander.
Was bis zum heutigen Tage uebrig geblieben ist, sind hunderte von riesengrossen, massiven, teils sehr gut erhaltenen Tempeln. Wie ich schon damals in Peru die letzten Treppenstufen des Inka-Trail hinauf zum Sungate Intipunku erklommen habe, von wo aus man die verlorene Stadt, Machu Picchu, das erste Mal erblicken kann, war ich auch auf Angkor Wat gespannt. Und dann, am 27. Januar, war es endlich soweit. Wir haben uns ein Tuk Tuk (Motorad-Taxi mit Fahrer) fuer den Tag genommen und verlassen Siem Reap in Richtung Angkor-Komplex. Nach einer viertel Stunde Fahrt koennen wir die Tuerme des Tempels entdecken und bald darauf halten wir vor dem Eingang zum Tempel. Wir gehen durch das West-Gate, was an sich auch schon einen Tempel ausmacht. Nachdem wir das Westgate durchquert haben, erstreckt sich ueber die gesamte Breite des Horizont die gewaltige Front des Tempels. Wir sind am Hoehepunkt einer jeden Kambodscha-Reise angelangt - Angkor Wat. Wow, so massiv, so gross, so unantastbar, so unkaputtbar. Wenn damals irgendetwas Staerke und Reichtum demonstriert hat, dann war es das Gesicht dieses Tempels, seine Ausmasse. Insgesamt brauchen wir ca. zweieinhalb Stunden, um uns durch den Tempel zu winden. Viel zu wenig Zeit, als dass man den Tempel greifen oder begreifen koennte. Dieses Ding ist der Hammer. Die Treppen zur naechsten Ebene sind 70 oder mehr Grad steil, ein weiteres Mittel fuer die Verteidigung. Ja ansonsten gibt es hier nicht nur den Tempel Angkor Wat, sondern noch viele weitere, weshalb es eben auch Angkor-Komplex genannt wird. Wir sind insgesamt drei Tage dort geblieben, drei Tage voller Erkundungen, eintauchen in jahrtausend alte Geschichte, dunkle Gaenge erforschen, auf der Suche nach etwas Verborgenem. Der Robin hat es auch gut beschrieben als er sagte, die Tempel hier seien ueberdimensionale Kinderspielplaetze, mehr fuer grosse Kinder allerdings, da teils gefaehrlich. Und Martin, ein Bekannter von dem Robin und der Marlene, der zur Zeit ebenfalls mit uns reist, fand auch die richtigen Worte, indem er es mit einem Kinobesuch verglich: Man geht zwar gemeinsam zum Kino, doch den Film sieht man mit alleine. So erkundet halt jeder die Tempel auf seine Weise. Das waren also die Tempel von Angkor. Ich hatte ja zeitiger die Sache mit dem Oktoberfest und der Love-Parade erwaehnt. Dazu noch kurz die Ausfuehrung, dass die Top-Tempel oftmals hoffnungslos ueberfuellt waren mit Menschen, Touristen vielmehr, Package-Touristen (also all inclusive Urlauber, organisierte Touren) um genauer zu sein, Reisebusse voll mit Japanern, wer es genau wissen will. Dies hat zum Teil ein negatives Bild auf die im Uebrigen makellose Fassade von Angkor geworfen. Genau wie beim Oktoberfest eben, wenn man dort nicht zwischen jedem Mass auf die Toilette rennen kann, ohne gleich seinen Sitzplatz zu verlieren. So waren wir nach drei Tagen dem Stress ueberdruessig und haben uns ein Bootticket nach Battambang gekauft.

Wer meint, jetzt habe er genug gelesen, der moege bitte aufhoeren. Fuer alle anderen gilt: Bitte folgen!

Nicht viele Boote laufen aus dem kleinen Faehrhafen 20 km suedlich von Siem Reap. Doch der Robin, die Marlene und ich greifen natuerlich genau das falsche. So sitzen wir erst in aller Ruhe auf dem Dach des Speedboats nach Phnom Penh und wollen uns fast beschweren, warum das Boot so lange benoetigt um loszufahren, als eine Frau (wahrscheinlich Angestellte der Bootgesellschaft) herumlaeuft und nebenbei ruft, dass auf dem anderen Boot noch drei Leute von dem und dem Hotel (also unserem Hotel) fehlen. Sofort springen wir auf und fragen nun das erste Mal die Leute neben uns, wo sie eigentlich hin wollen. Komischerweise wollen all die anderen nach Phnom Penh, und nicht nach Battambang. Wir eilen hinter zur Ladeluke, wo das Gepaeck aller Reisenden verstaut liegt. Nach einer viertel Stunde buddeln und kramen sind wir schweissgebadet, aber halten unsere Rucksaecke in den Armen. Die Bootsfahrt nach Battambang sollte lt. Auskunft in unserem Hotel ca. drei bis vier Stunden dauern. Solange wir auf dem See fuhren, hoerte sich dieser Zeitansatz auch relativ realistisch an. Bald ging der See jedoch in einen Fluss ueber. Wir haben Monsoon-Trockenzeit, Regen faellt so gut wie keiner, das Wasser im Fluss steht flach. Steht sogar so flach, dass unser Zehn-Mann-Boot um manche Kurve gar nicht in einem Zug rum kam, sondern der Lotse immer wieder vor- und zurueck steuern musste, mehrere Anlaeufe brauchte. Zeitweise liefen wir sogar auf Grund. Am Ende hat die mit Freuden erwartete Bootsfahrt dann sich ewig hinziehende, jaemmerliche neun Stunden in Anspruch genommen.

Nachdem wir uns zwei Tage in Battambang aufgehalten haben, schrien wir nun geradewegs nach Urlaub/Entlastung. Zwar hatten wir auf unserer Reise durch Kambodscha immer genuegend Zwischenstops eingebaut, jedoch war nie das Gefuehl von Erholung aufgekommen, eher immer nur auf Hochtouren, volles Programm. So stand fuer uns als naechstes fest: Beachlife. Just doing nothing. Die Insel unserer Wahl fiel auf Koh Tonsay. Eine halbe Stunde Bootsfahrt vor der Kueste im Sueden Kambodschas gelegen, im Golf von Thailand. Drei Stunden Fussmarsch sollen es angeblich sein, dass man die Insel umrundet. Ich habe dies nicht nachgeprueft, weil ich mit Nichts tun voll beschaeftigt war. Drei Bungalowanlagen gibt es auf Koh Tonsay. Wir hatten die in der Mitte genommen. Die zweite, zu unserer rechten hatte nur einen Bungalow. Die dritte, zu unserer linken, war so weit weg (mindestens 100m), dass ich es nicht bis dort hinter gebracht hatte. Ich wollte ja Nichts tun. Das schoene am Nichts tun ist eigentlich, dass man nicht tut, und dass man daher auch von nichts berichten kann oder muss. So findet dieser Absatz zu jenen fuenf Tagen ein schnelles, unkompliziertes Ende.

Im Moment bin ich in Sihanoukville, einer kleinen tourismusgesaeumten Stadt, an der Kueste des Landes. Wir schreiben den 11. Februar des Jahres 2006. Meine Aufenthaltsgenehmigung fuer Kambodscha reicht noch bis zum 13. Februar 2006, wie anfangs erwaehnt. Ich werde das Land jedoch morgen, zusammen mit dem Robin und der Marlene in Richtung Thailand per Boot verlassen. Von da an bleiben mir noch knapp zwei Wochen bis zu meinem Rueckflugtermin am 27. Februar. Ich fliege von Singapur, muss mich deshalb spurten. Der naechste Logeintrag wird hoechstwahrscheinlich der letzte seiner Art sein, da ich vom 1.Maerz an wieder in Rietdorf bin. Juhu.

Danke fuers Zuhoeren und schauen Sie doch noch 1 Mal rein. Bitte.

Posted by Sascha at 09:17 AM | Comments (0)