Genau 31 Tage hatte ich mich in Laos aufgehalten, als ich es an der Zeit fand, das Land zu verlassen und damit in neue Breitengrade, Kambodscha betreffend, vorzustossen. Mein Visa fuer Kambodscha hatte ich mir bereits vor ein paar Monaten in Bangkok besorgt, fuer umgerechnet 30 Euro ungefaehr. So stand der Reise ins neue Land nichts mehr entgegen.
Eigentlich unterhaelt Kambodscha keinen offiziellen Grenzuebergang mit Laos. Jedoch gibt es eine Art provisorischen Grenzuebergang, unweit von Don Det. Dieser ist von Zeit zu Zeit fuer jederman geoeffnet (Touristen als auch Einheimische), was sich aber staendig aendert, sodass er dann zeitweise ganz geschlossen oder fuer Touristen nicht geoeffnet ist. Zur Zeit kann man ihn jedoch unbeschraenkt benutzen. Im Restaurant auf Don Det, in dem ich mir das Busticket fuer den Transport zum naechstgroesseren kambodschanischen Ort gekauft habe, hatte man mich davon in Kenntnis gesetzt, dass die laotischen Grenzbeamten eventuell eine Art ‘Service-Money’ (man koennte es auch Bestechungsgeld nennen) von 1 bis 2 Dollar fuer den Exit-Stempel im Reisepass verlangen wuerden. Auf der kambodschanischen Seite sollte man jedoch nichts bezahlen.
Am Morgen des 13. Januar setzen wir mit dem Boot von Don Det aufs Festland ueber, wo alle ‘Grenzgaenger’ dann in Minibusse verfrachtet werden. Wir fahren eine Weile auf asphaltierter Strasse, biegen dann auf einen Waldweg ab und nach weiteren 20 Minuten Fahrt geht in unserem Minibus einstimmig die Meinung herum: ‘Hier gibt es wohl ausser der gruenen Grenze keinen Grenzuebergang, weder offiziell noch inoffiziell.’ Dann haelt der Minibus an und ein Laote mit Aktentasche steigt zu, erzaehlt uns, er sei unser ‘Grenzformalitaetenorganisator (hier GFO genannt) und ist dafuer zustaendig, uns ueber die Grenze zu schleusen...
Dann kommen wir am hoelzernen Grenzhaeuschen an, der Waldweg durch die rot-weisse Schranke unterbrochen. Unser GFO sammelt unsere Reisepaesse ein und geht vor zum Grenzhaeuschen, wir sollen am Auto zurueckbleiben und warten. Nach einer Weile kommt er wieder, sagt, er muesse von jedem von uns 5 Dollar ‘Service-Money’ einkassieren. Er hat in den vergangenen Tagen schon mehrere Leute ueber die Grenze gebracht, und die Beamten lassen nicht mit sich verhandeln, so werden auf Laos-Seite 2 und auf Kambodscha-Seite 3 Dollar faellig. Da die Informationen der Gaestehaeuser und Restaurants jedoch ein wenig von seinen Angaben abweichen, protestieren wir und geben ihm vorerst kein Geld, mit der Begruendung: Erstens sollen uns es die jeweiligen Beamten persoenlich ins Gesicht sagen, das und wieviel ‘Service-Money’ sie haben wollen und, zweitens, wollen wir ihm, dem GFO, die 3 Dollar fuer die Kambodscha-Beamten nicht schon jetzt in die Hand druecken, bevor wir ueberhaupt erfahren haben, wie hoch den der aktuelle Stand des ‘Service-Money’auf der anderen Seite sei.
Und so gehen wir selbst zum Grenzhaeuschen und fragen, ob wir unsere Paesse nebst eingetragenen Exit-Stempel wiederhaben koennen. Die Antwort der Grenzbeamten lautet ‘Natuerlich koennen Sie, gegen 2 Dollar Aufpreis bitte.’ Wir diskutieren eine Weile mit ihnen, doch wollen sich die Beamten nicht erweichen lassen. Sie erwidern eher: ‘You don’t pay – you go back!’ Und da man uns in Don Det auf diese Reaktion hingewiesen hatte, zahlen wir die verdammten 2 Dollar. 1:0 fuer den GFO.
Auf geht’s in die zweite Halbzeit. Nicht mal ein Grenzbeamter, sondern der Fahrer unseres Minibusses betaetigt die Schranke. Diesmal lassen wir den GFO kalt links liegen und gehen direkt vor zum Grenzhaeuschen. Wir geben die Paesse ab.
Es dauert eine halbe Stunde, bis die Beamten alle Reisepaesse und Visa durchgegangen sind und, was sich letzten Endes als der entscheidende Punkt fuer ihre Niederlage herausstellen sollte, die Entry-Stempel eingetragen haben. Denn ist der Stempel einmal drin im Pass, geht er nicht mehr so ohne Weiteres rueckgaengig zu machen. Angekotzt von der Abzockerei und schlecht gelaunt auf Grund des Ausgangs der ersten Tageshaelfte, haben wir uns in jener halben Stunde der Pass-Bearbeitungszeit geschworen, mit weit haerteren Bandagen in die bevorstehenden Verhandlungen mit den Beamten zu gehen, sollten sie auf die Idee kommen, ‘Service-Money’ zu erheben. So haben wir uns eine ganze Reihe von Argumenten zurechtgelegt, mit denen wir ihnen begegnen wollen, sind nicht dazu bereit, auch nur einen Schritt zurueckzugehen und ziehen sogar die Variante des Sitzstreik durchaus in Betracht. Und, wie schon damals im Kindergarten, haben wir uns den Ehrenkodex geschworen: Alle oder keiner!
Dann kommt der mit Spannung erwartete Moment. Der Grenzer nimmt einen Pass hervor und ruft die entsprechende Person, in diesem Fall ist es eine Franzoesin. Voller Selbstvertrauen steht sie auf und geht zum Schreibtisch des Beamten, setzt sich auf den Stuhl, ihm gegenueber: ‘This is your passport Madam, 3 Dollar, please.’ Optimistisch und hoeflich entgegnet sie ihm das erste Argument: ‘Warum soll ich fuer etwas zahlen, was mir laut Gesetz kostenfrei zusteht?!’, worauf der Beamte erwidert: ‘This is Service-Money, 3 Dollar, please!’ Daraufhin wirft sie ihm das naechste Argument an den Kopf: ‘Ich habe bereits 30 Euro fuer das Visa bezahlt, womit/worin alle Ein- und Ausreisekosten beglichen/enthalten sind!’ Der Beamte probiert’s ein drittes Mal: ‘3 Dollar, please, or you go back!’ Mit dem Ehrenkodex im Ruecken, sagt die Franzoesin dem Grenzbeamten dann: Éntweder Sie geben mir meinen Pass, oder ich bleibe hier sitzen bis in alle Ewigkeit!’ Das muss den Beamten dann wohl ungeheuer beeindruckt haben, als er ihr widerdruessig den Pass aushaendigt. Dabei ist uns aufgefallen, dass er das ohne weitere Buerokratie getan hat, was bedeutet, die Entry-Stempel sind bereits eingetragen. Und so koennen wir nun praktisch gar nicht mehr viel verlieren.
Als zweiter Kandidat wird der Hollaender aufgerufen. Wieder das gleiche Spiel, Argumente hin und her, wobei der Beamte natuerlich keine kraeftigen Argumente hervorbringen kann. Es dauert eine Weile, bis er dem Druck des Hollaenders nachgibt und seinen Pass aushaendigt. Damit ist das Eis nun endgueltig gebrochen und die Beamten wissen, sie haben verloren und werden nicht auch nur einen einzigen Cent von uns erwarten koennen.
Der Rest von uns braucht entweder nur ‘Nein’ zur Geldforderung sagen beziehungsweise bekommt den Pass ohne Weiteres ausgehaendigt. Als wir wieder zum Minibus zurueckkehren, tut unser GFO ganz scheinheilig, sagt, es waere unmoeglich, dass man nichts bezahlen muss und er koenne es sich absolute nicht vorstellen. Mit diesen Worten verabschiedet er sich von uns und macht sich auf den Weg zurueck auf die laotische Seite, um neue ‘Touristen-Opfer’ aufzugabeln. Wir denken nur, so ein Arschloch; will uns 5 Dollar abknoepfen fuer nichts und hat hinterruecks wahrscheinlich einen Deal mit den Beamten. 2 Dollar fuer jede Seite (Laos, Kambodscha), 1 Dollar fuer ihn. Den Beamten wird es wohl recht sein, ersparen sie sich doch jegliche Diskussionen und sind sich ihrer 2 Dollar pro Person sicher.
Uns Leuten im Minibus ging es bei dieser Aktion in erster Linie ums Prinzip und um die Verantwortung, das Prinzip, das man kein Geld fuer einen Exit-/Entry-Stempel bezahlen muss und um die Verantwortung anderer, noch folgender, Touristen gegenueber. Und so tauschen wir Traveler auf unseren Reisen untereinander Tips und Erfahrungen aus, am liebsten aus erster Hand.
Mit diesen Worten schliesse ich dieses Kapitel 'Einreise in Kambodscha’ und werde Euch bald mit Kambodschas alter und neuer Geschichte belasten (wie schon beim Artikel ueber Phonsaven, Laos, geschehen).
Unter den dutzend Muecken, die mich waehrend meines letzten Internetauftritts belaestigt hatten, war anscheinend kein 'Malariatraeger' dabei. Und so habe ich die Ehre, mit meinem Tagebuch fortfahren zu koennen.
Von Vientiane, der Hauptstadt der P.D.R. Laos, sowie von Fabrizio, meinem dreiwoechigen italienischen Reisegefaehrten, habe ich mich am Morgen des 4. Januar verabschiedet. Auf ging's mit dem local bus Richtung Sueden, ins 400km entfernte Savannaketh. Ausser der franzoesischen Kolonialbauten sowie meiner, gluecklicherweise nur einen Abend andauernden, Magenbeschwerden gibt es ueber den Ort nicht viel zu berichten.
So bin ich am naechsten Tag weitergereist nach Pakse, weiterhin Richtung Sueden haltend. In der Stadt selbst gibt es an sich nicht viel zu sehen, weshalb ich ziellos durch die Strassen laufe. Auf einmal kreuzen sich zwei meiner Gedanken: ich sehe den Friseurladen auf der gegenueberliegenden Strassenseite UND ich fuehle, wie mir der Schweiss von der Stirn runterlaeuft. Also gehe ich rueber und versuche zu erklaeren, ob sie mir nicht die Haare EIN WENIG verschneiden koennten. Ich zeige extra noch mit dem Finger EIN WENIG. Dann rauf auf den Stuhl, Kopf nach vorn uebergebeugt, Wasserschlauch aufgedreht, kurz mit nem Lappen trockengerieben und dann schneidet er los. Ich achte eigentlich gar nicht so unbedingt drauf. Als er fertig ist, denke ich mir dann aber: 'Ja, haetteste mal ruhig ab und zu einen Kontrollblick geworfen.' Ich renne jetzt zwar nicht mit einer Glatze durch die Gegend, nein 5 cm sind schon noch drauf. Jedoch sieht der Haarschnitt irgendwie bescheuert aus. Wie benommen druecke ich dem Kerl die 10.000 Kip (1 US) in die Hand und schleiche mich aus dem Laden. Immerzu rede ich mir ein, dass der Haarschnitt ja auch durchaus seine guten Seiten hat. So schwitze ich zum Beispiel nicht mehr ganz so doll und die Gefahr, von Laeusen befallen zu werden, ist um Einiges geringer. Doch mit den schlechten News fuer heute noch nicht genug. Als ich an einem Tennisplatz vorbeikomme, dem ersten, der mir auf meiner Reise in Asien begegnet ist, muss ich leider feststellen, das von meinen einstigen Faehigkeiten, den Tennissport bezogen, nicht viel uebrig geblieben ist.
Von Pakse aus habe ich mich dann fuer ein paar Tage in ein kleines Dorf namens Thad Lo gewagt. Nach Staedten wie Vientiane, Savannaketh oder Pakse brauchte ich mal wieder ein wenig doerfliche Atmosphaere. Trotzdessen, dass es in Thad Lo nur ein paar Wasserfaelle und, entlang des Flusses hier und dort Stellen zum Schwimmen gab, habe ich es ziemlich genossen. Tagsueber findet man Zeit fuer sich (da es hier wie gesagt nichts weiter zu sehen gibt) und am Nachmittag oder speziell den gesamten Abend treffen sich dann alle Traveller (so viele sinds ja dann nicht) in den Bambus-Restaurants. Sodass man doch noch gerade genug Geselligkeit hat.
Das Essen in Thad Lo war einer der Gruende, weil ich gerne noch laenger geblieben waere. Doch immer den Datumsstempel im Reisepass vor Augen, an dem mein Laos-Visa auslaeuft, musste ich die Reise fortsetzen. So stand als naechstes der am Mekong gelegene Ort Champasak auf dem Programm und mit ihm ein wenig Kultur. 11km suedlich von Champasak liegt Wat Phu (Huegeltempel). Dieser Tempel, bzw. heute seine Ruinen, ist am Hang eines Huegels erbaut. Nun bin ich zwar kein Historiker, Archaeologe oder Bauzeichner, als dass ich diesen Tempel als etwas Besonderes deuten wuerde. Fuer mich als Laien ist es halt einer unter vielen. Jedoch ist er deshalb so interessant, weil er als Prototyp fuer Angkor Wat gedient haben soll. (Angkor Wat befindet sich in Kambodscha, ist das groesste religioese Gebaeude der Welt und liegt mit Bestimmtheit auf meiner Reiseroute...)
Das kulturelle Pflichtprogramm wahrlich genossen, wollte ich nun meine letzten Tage in Laos in einer Haengematte auf Don Det verbringen. Zunaechst ein paar Worte ueber die geografische Beschaffenheit von Don Det. Das Land Laos bezeichnet sich als 'Perle des Mekong'. Vom Norden bis in den Sueden, fast ueberall begegnet einem der 'Mighty Mekong'. Und hier, im suedlichsten Zipfel des Landes, nahe der kambodschanischen Grenze, weitet sich dieser Fluss auf stattliche 13km in seiner Breite aus und formt ein riesiges Spinnennetz bestehend aus 4.000 Inseln, wovon drei ein wenig groesser und damit zum Bewohnen geeignet sind. Und eine dieser drei groesseren Inseln ist eben Don Det. Nachdem in meinem Gaestehaus/Bungalowanlage aber vorrangig Englaender verkehrten und weniger gemischtes Publikum, waren mir die Gespraechsthemen zu einseitig bzw. zu ManU- und Liverpool-lastig Kann sein, dass noch ueber andere Sachen geredet wurde. Da mir das Englisch aber zu schnell war (Muttersprachler untereinander), hab eh nicht so oft hingehoert. Oben drauf kam dann noch dazu, dass das Gaestehaus von einem Englaender geleitet wird, oder wie er gesagt hat : ‘I run this place’ (Ich schmeisse den Laden). Und wie er ihn geschmissen hat konnte man an seinem taeglichen Alkoholkonsum ableiten. So war es auch kein Wunder, dass wir beim Auschecken festgestellt haben, dass ploetzlich genau die Seite in dem Heft herausgerissen war, auf dem ich meine verzehrten Speisen und Getraenke immer notiert hatte. Aber ich bin ein ehrliches Herz und habe es zu 95% rekonstruieren koennen. Mit diesem Absatz soll sich die Nation der Englaender um Gottes Willen nicht beleidigt fuehlen. Jedoch koennen zu viele von einer Sorte auch ziemlich anstrengend sein.
Von Don Det und den 4.000 Inseln aus war es nun nur noch ein Katzensprung bis nach Kambodscha, deren Berge man schon auf der anderen Seite des Mekong ausmachen konnte. Doch von der Einreise nach Kambodscha berichte ich das naechste Mal.
Zum Bild:
Das Bild bezieht sich auf das Tubing auf dem Fluss in Vang Vieng, im Vordergrund meine Fuesse, im Hintergrund Fabrizio, der Italiener.
Zur Reise:
Weihnachten ist vorrueber, und ich habe meine Reise durch Suedostasien weiter fortgesetzt.
Rumgeprahlt hatte ich ja beim letzten Mal, dass ich doch den Night Market aufsuchen und grossartig fuer allemann Geschenke mitbringen wollte. Tja, den Night Market habe ich dann auch nicht ausgelassen, doch fuer den Souvernirkauf konnte ich mich irgendwie nicht begeistern. Erstens, weil die richtigen Dinge einfach nicht dabei waren und zweitens, weil ich sie denn nicht die ganze weite Reise ueber im Rucksack rumschleppen moechte. So verlagere ich den 'Grosseinkauf' nach hinten, nach Bangkok. da halte ich auf dem Weg Richtung Singapur eh noch mal kurz an. Vielmehr war ich auf dem Markt damit beschaeftigt, mein Zelt gegen andere Dinge einzutauschen. Das Zelt stammte noch von der Suedamerikareise, wo ich es bereits beim Camping auf der Isla del Sol (Titicaca See) benutzt hatte.Iich habe es von Deutschland aus mit nach Asien genommen. Mittlerweile ist mir zelten zu anstrengend und so wollte ich es halt loswerden. Doch niemand hat sich dafuer interessiert. Erst habe ich es beim T-Shirt-Haendler versucht, dann beim Kamera-Shop gegen eine einfache Kamera, ja sogar gegen eine Gitarre wollte ich es eintauschen, doch immer ohne Erfolg. bis ich letztendlich eine Travel Agency gefunden habe. der Eigentuemer hat freudestrahlend geguckt. das Zelt ist ein Importartikel, und alles was nach Laos importiert wird, kostet eine Menge Geld, es sei denn man kauft es von Reisenden ab. So habe ich am Ende 15 US in Cash eingefahren. Beide Parteien sind happy, mein Rucksack ein gutes Stueck leichter UND leerer.
am zweiten weihnachtsfeiertag haben wir uns mit fabrizio wieder losgerappelt und sind vom angenehm warmen Luang Prabang ins doch merklich kaeltere Phonsavan gereist. Die Busfahrt hat den gesamten Tag in Anspruch genommen, etliche hundert Serpentinen haben wir hinter uns gelassen. Als wir frueher mit Leos und meiner Familie immer nach Bulgarien gefahren sind, da musste ich spaetestens in Zinnwald erbrechen, da mir von der Fahrt in den Bergen uebel wurde. Mittlerweile macht es mir aber nichts mehr aus. Ganz im Gegensatz zu den 40 Einheimischen hier in dem Bus nach Phonsavan. Jeder von ihnen hat vor der Fahrt vom Busfahrer eine kleine durchsichtige Plastiktuete in die Hand gedrueckt bekommen, von der sie waehrend der Fahrt auch fleissig Gebrauch machen. Wenn sie die Tuete vollgespuckt haben, wird sie einfach aus dem Fenster geworfen und machen mit der naechsten Tuete weiter. Nun bin ich aber nicht nur nach Phonsavan gereist, um diese Busfahrt mitzuerleben, sondern galt es naehe Phonsavan noch alte und neue Geschichte zu entdecken. Alte Geschichte bezieht sich auf die 'Plain of Jars', die 'Ebene der Tonkruege'. Dort befinden sich ca. 1.000 dieser Kruege ueber ein grosses Gebiet zerstreut, wovon manche einen Durchmesser von etwa zwei Metern haben und bis zu einer Tonne wiegen. Rumliegen tun sie dort seit 1.500 Jahren. Wie diese Kruege dort hinkamen und welche Aufgabe sie erfuellten, darueber streiten sich derzeit die Archaeologen. Phonsavans Neue Geschichte soll sich auf ein dunkleres Kapitel beziehen. Man braucht nicht weit von Phonsavan entfernen, dass man hier und dann riesige Loecher im Erdreich findet. Diese sind Bombenkrater und resultieren aus der Zeit des Vietnam-Krieges. Um die Nachschubwege des Ho-Chi-Minh-Pfades zu stoeren, hat der Ami damals ueber jenem Gebiet mehr Bomben als irgendwo anders abgeworfen. Bis zum heutigen Tage sind in der Region um Phonsavan sowie weiter im Suedosten des Landes viele Gebiete noch immer mit unexplodierten Streubomben verseucht. So z.B. auch die Ebene der Tonkruege, wo man sich nur innerhalb der gesaeuberten Bereiche bewegen sollte. Die Menschen, die hier leben, haben allerdings keine Wahl und muessen, um nicht zu verhungern, jeden Tag raus aufs Feld, den Reis bestellen. Jedes Jahr gibt es an die hundert Todesfaelle, die Zahl der Verletzten ist weitaus hoeher.
Von Phonsavan ging unsere Reise dann nach zwei Tagen weiter, nach Vang Vieng. Wir schreiben mittlerweile den 28. Dezember, bis Sylvester sind es nur noch ein paar Tage. Vang Vieng ist, wie so viele andere Orte in Laos, am Fluss gelegen. Das Klima ist sehr warm und die Verkehrsanbindung gut. Somit finden sich auch bequemere Reisende (ich moechte das Wort 'faul' nicht verwenden) ein. Hierzu zaehle ich z.B. die wassersport-, strand- und sonnenfanatischen Nationen der Australier und Israelis. Wenn man sie in schwerzugaenglichen Regionen oder kalten und sonnenarmen Gebieten nur selten antrifft, dann weil sie ihre Zeit vermehrt an den Straenden dieser Welt verbringen. Wir haben uns mit Fabrizio dann Schlaeuche von gebrauchten Autoreifen gemietet und sind damit dann fuer ein paar Kilometer den Fluss heruntergeschwommen. Entlang des Flussufers haben die Einheimischen Bars errichtet. Den ganzen Tag ueber schallt es Bob Marley oder die Red Hots aus den Lautsprechern. Wem die Sache mit dem Bier in der Bar sitzen zu langweilig ist, der spielt nebenan Beachvolleyball oder stuerzt sich aus ca 7-10 Metern von einem Baum, an einem Bungeeseil haengend, direkt in den Fluss, welches die eigentliche Hauptattraktion dieser Flussfahrt darstellen soll. Ich habe das genau zweimal gemacht. Das war genug Adrenalinschub fuer den Rest meiner Reise.
Dann war irgendwann der 31. Dezember und ich habe mich ins Internet-Cafe begeben. Einigen von Euch, nicht allen, habe ich eine eMail geschrieben und darin angekuendigt, zum Jahreswechsel einen auf Euch zu trinken. Dazu sollte es jedoch nicht kommen, da ich mich, bedingt durch bewusste Drogeneinnahme, ins Land der Traeume, Ideen, Paranoia und Halluzinationen katapultiert habe. Genauer gesagt habe ich mir von der Smile-Bar aus den Sonnenuntergang unten am Fluss angeschaut und nebenher ein Banana-Coconut-Shake gegoennt. Wie bereits die Tage zuvor hat es auch diesmal wieder hervorragend geschmeckt, jedoch war lag der Preis nicht bei 5.000 Kip (0.40 Cent) sondern bei horrenden 20.000 Kip (1.60 EUR). Aber dafuer war es halt kein normales Shake, sondern eben ein Happy-Shake, dem 'Marijuna' beigemixt wurde; hierzulande unter den Begriffen 'M' beziehungsweise 'something' bekannt. Dabei hat mich der Barkeeper bei meiner Happy-Shake-Bestellung noch gefragt 'You want VERY happy?' und ich daraufhin erwiderte 'No, not so happy please'. Aber es war wohl ausreichend.
Nach angeblichen fuenf Tagen und Naechten, von denen ich mich nur an jeweils vier erinnern kann, ging die Reise weiter nach Vientiane, die Hauptstadt der P.D.R. Laos. Das P.D.R. im Namen des Landes steht eigentlich fuer People's Democratic Republic. Die Touristen und Einheimischen selbst haben es jedoch umgetauft in Please Don't Rush, weil in Laos alles ein bisschen laenger dauert und das auch so sein soll. In Vientiane gab es ein paar praktische Dinge fuer mich zu erledigen. Ganz wichtig war die Visa-Verlaengerung fuer ein paar Tage, da mir der eine Monat am Ende nicht ausgereicht haette. Erledigung Nummer zwei lag in der Benutzung des Geldautomaten, um meine Bargeldbestaende nachzufuellen. Vientiane ist momentan der einzige Ort in Laos, der ueber Geldautomaten mit internationaler Ausstattung verfuegt.
Ich wuerde Euch gerne noch weiter Einblick in meine Reisetaetigkeit verschaffen, jedoch muss ich jetzt erstmal zurueck ins Hotel, langaermlige Kleidung anziehen, da ich von Mosquitos durchbohrt werde. Schoenen Gruss an Tante Malaria.
this log entry is adressed to all the non-german but english speakers amongst you.
recent entries I have only written in german language - sorry about that.
as i dont have time to translate every single log entry please use translation services, as altavista or yahoo offer them.
in other words: go to altavista.com/yahoo.com and enter KINGKREISSLER in the search bar; if you did not spell it totally wrong, a link to the kingkreissler.de webpage should come up; follow this link by using the TRANSLATE-option and my page will be build up in a more or less english version
good luck