Nach einem Jahr und einer Woche Abstinenz habe ich mich doch mal wieder nach Hause getraut. Da bin ich nun. Traarraa!!
So, und was wollt ihr jetzt zuerst von mir wissen? Wie es so in Irland ist? Was ich da die ganze Zeit gemacht habe? Ob es mir gefallen hat? Wo ich gejobbt habe? Was man da so verdient? Und wie die Frauen so sind? Ob es schwer ist, mit dem Auto auf der linken Seite zu fahren? Ob es da wirklich so viele Schafe gibt? Wann ich wieder nach Irland zurück gehe? Ob es dort wirklich immer nur regnet und windig ist? Und ob ich die Guinness-Brauerei besichtigt habe?
Ach, das interessiert doch alles keine Sau! Ich sag mal einfach, Gesetz der Tatsache, dass ich ja statt der geplanten vier bis fünf Monate am Ende doch über ein Jahr geblieben bin, zeugt doch davon, das ich einfach eine absolut geniale Zeit in Irland verlebt habe. O.K., soviel Bilder wie in den Staaten sind es nicht geworden. Aber das liegt wahrscheinlich daran, dass die USA natürlich viel mehr Abwechslung in ihrer Szenerie zu bieten haben. In Irland hingegen handeln alle Fotos mehr oder weniger immer von Schafen, die auf Gras bewachsenen Hängen weiden oder es sind irgendwelche wahnsinnig steilen Felsen im Spiel, die direkt in den Atlantik abfallen. Vielleicht habe ich aber auch deshalb nicht so dermaßen viele Bilder über Irland mit nach Hause gebracht, weil die Festplatte vom Notebook die Hufe hochgerissen hatte. Alle Bilder weg. Einfach so. Kein Backup. Muss ich im Notfall halt noch mal nach Irland. Mein Mitbewohner Pietro aus Italien hat mir kurz vor meiner Abreise noch drei CDs mit Bildern mitgegeben. Ich denke aber, dass ihr die gar nicht so spannend finden werdet, da er vorrangig Bilder auf Parties geschossen hat, mit so Menschenköpfen drauf. Und da Euch mit den Köpfen aus Irland eh nix verbindet, wäre ein Diavortrag sicherlich unangebracht :-(
Als dann die letzten vier Wochen in Irland anbrachen, habe ich alles Mögliche an Zeit mit meinen dortigen Freunden verbracht. Was in etwa so aussah, dass wir mehrmals die Woche im Pub endeten, uns bei irgendwem zu Hause einfanden oder spontan entschieden haben, aus dem gemütlichen Dinner doch eine durchaus sehenswerte Party ins Leben zu rufen. Dass diese Parties dann immer gleich so unheimlich gewaltig sein mussten, konnten wir ja vorher nicht wissen. Ich habe mich manches Mal gefragt wo denn nur die Garda (Polizei) bleibt, um jeden Augenblick das gesamte Apartment zu beschlagnahmen. Und weil wir am Tag danach nicht wirklich die Zeit hatten, die ganze Scheiße aufzuräumen, befand sich der Laminatfußboden schon mal für zwei Wochen im nach getrocknetem Bier riechenden, klebrigen Zustand.
Tja, und jetzt bin ich schon wieder fast eine Woche im Lande und, wie soll ich sagen, ich fühle mich nicht so richtig wohl hier. Als hätte man mich in irgendeine Situation hineingepflanzt. Ich meine, na klar geht’s mir gut hier zu Hause, mit Svene und Stefanie, Mama und Papa. Auch Bess und Edda gestalten einen Großteil meines Tagesablaufs in Rietdorf. Aber ich vermisse doch sehr stark die internationale Atmosphäre, von der ich in Dublin umgeben war. Die macht das Leben so viel interessanter. Mir kommt es so vor, als hätte man mich aus meiner kleinen, irischen Welt herausgerissen. Zu sehr war ich mit den Leuten, dem Rhythmus, dem Leben in Dublin verwachsen. Mein Tagesablauf, meine Arbeit, die Pubs – alles war mir vertraut. Ich habe mich dort zu Hause gefühlt. Auch fehlen mir die, bis in die frühen Morgenstunden anhaltenden Gespräche zu meinen Mitbewohnern und Freunden.
Nun will ich aber den Teufel nicht gleich an die Wand malen. So grausam wie es sich darstellt, ist es ja Weißgott nicht. Es ist halt nur die Sache, dass mir die Menschen dort in Irland doch sehr ans Herz gewachsen sind. Mit denen habe ich alles gemacht. Bis letzte Woche. Nun bin ich hier und alles ist auf einmal vorbei. Geschichte. Aber so läuft das halt als Traveller. Ich hätte ja auch gut und gerne dort bleiben können. Doch der Drang zur Erkundung neuer Länder war letztlich stärker. Und bevor es dann am 2. Januar nach Südamerika geht, na da muss ich halt in Rietdorf vorbeischauen. Und wenn’s da noch so viele Menschen in Irland, die ich zurücklasse.