January 28, 2004

Was ihr schon immer wissen wolltet...

Da ich in der letzten Zeit vermehrt Fragen rund um das Leben hier in Irland gestellt bekommen habe, soll mein nächster Reisebericht größtenteils dieser Thematik gewidmet sein.

Die häufigsten Anfragen gab es zum Thema Arbeit/Jobsuche.

Es gibt viele Jobs, aber auch viele Arbeitslose. Es kommt eben immer darauf an, ob man die benötigten Fähigkeiten und Erfahrungen mit sich bringt. Eine Arbeitserlaubnis bzw. Aufenthaltsgenehmigung wird für EU-Bürger nicht verlangt, es genügt der gültige Reisepass.

Dublin ist die Costumer Service- und Callcenter-Hauptstadt Europas. Viele internationale Firmen haben hier ihren Knotenpunkt für diese Unternehmensbereiche (sofern diese nicht auch noch nach Indien ausgelagert werden ...). Demnach besteht nun eine erhöhte Nachfrage nach zweisprachigem Personal. Wer also telefonieren und mit dem PC umgehen kann, ein paar Erfahrungen vorweist und dazu noch eine Fremdsprache spricht, findet binnen zwei, drei Wochen mit Sicherheit einen Job in diesem Bereich.
Wie es um die anderen Zweige der Wirtschaft steht, kann ich leider nicht genau sagen. Ich würde aber behaupten, dass man im Baugewerbe auch nicht lange suchen muss. Hier ist jedoch die Vorlage eines sog. Safety-Passes zwingend. Diesen kann man sich ziemlich einfach hier vor Ort besorgen, kostet aber 120,00 €.

Der Durchschnittsverdienst liegt bei ca. 20.000 € brutto jährlich. Zulagen gibt es wie in Deutschland auch für Schichtarbeit und an Feiertagen.
Die Kündigungsfristen sind flexibler geregelt als zu Hause, meistens eine Woche auf Arbeitgeber- und Arbeitnehmerseite. Darauf sollte man sich aber nicht verlassen, wenn man wie in meinem Fall für ein US-amerikanisches Unternehmen arbeitet. Kündigungsfristen gibt es dann nicht.
Das Wetter in Irland ist ziemlich genau vorherzusagen. Es gibt täglich Sonne, Wind und Regen, und dazu noch einen Tag Sonnenschein extra im Monat. Das ist immer dann der Fall, wenn der Gehaltsscheck kommt. Die Steuer- und Sozialabgaben belaufen sich auf ca. 20% (in Deutschland auf ca. 40-45%). Dafür ist man aber auch nur sehr geringfügig sozialversichert. Für Medikamente und Arztbesuche muss man selber aufkommen. Wird man krank, hat man nach einer bestimmten Wartezeit Anspruch auf einen Krankenhausplatz. Wem das nicht gefällt, der kann sich für ca. 35 € im Monat privat versichern. Eine gesetzliche Rentenversicherung gibt es in Irland nicht: Man zahlt nichts ein und bekommt nichts raus. In Deutschland funktioniert das ein bisschen anders: Man zahlt viel ein und bekommt trotzdem nicht raus. Aber meine Einstellung zu diesem Thema kennt ihr ja...

Dann wolltet ihr zum Beispiel wissen, wie hoch die Lebenshaltungskosten sind.

Eine Woche Unterkunft im Hostel: 105,00 €
Einen Monat Miete in Citynähe (Roomsharing): 300,00 €
Laundry (Waschmaschine + Trockner): 7,00 €
Billigste Dose Bier (im Aldi): 0,99 €
Schachtel Marlboro light: 6,20 €
Pints of Guiness im Pub (0,57 Ltr): 4,50 €
Liter bleifreies Benzin (95 Oktan): 0,90 €
Döner: 5,45 €
Kino: 8,00 €
Popcorn im Kino: 5,00 €
Museum: for free
Evening Herald (Tageszeitung): 1,00 €
10 Minuten nach Hause telefonieren: 0,80 €
1 Stunde Internet: 2,00 €
Neue Lichtmaschine für VW Passat: 80,00 €
Burgen und Kirchen angucken: 5,00 €
Dienstags Basketball spielen: 5,00 €
Einen Monat Fitnessstudio: 80,00 €
Eine Stunde Parken in der Innenstadt: 2,50 €
Haare schneiden: 15,00 €
100 neue Menschen kennenlernen und 1000 neue Erfahrungen sammeln: unbezahlbar

Dann gab es noch ein paar andere Fragen:

Na klar gefällt es mir in Dublin und na klar sind die Leute nett. Hat man einmal fußgefasst, ist es auch ganz einfach hier zu leben. Dublin ist voller internationaler Kulturen. Manchmal denke ich, es gibt mehr Ausländer als Iren in dieser Stadt. Auf den Strassen, in den Pubs, im Kino, im Job – überall sieht man meist junge Gesichter. Dublin ist nicht übermäßig groß, die Stories werden in der Innenstadt geschrieben, und so kommt es schon mal vor, dass man einen längst verloren geglaubten Menschen an der nächsten Straßenecke wiedertrifft. Auf Grund der Tatsache dass es mir hier einfach nur gut gefällt, werde ich sicher noch bis Ende August in diesem Land verweilen. Es gibt viel zu sehen, noch mehr zu entdecken, von Heimweh bislang keine Spur, irgendetwas fehlt aber doch – IHR.

Das soll´s mal wieder gewesen sein. Haut rein und schreibt mir mal ein comment.

Posted by Sascha at 07:29 PM | Comments (1)