August 05, 2004

U.H.@work

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Eigentlich heisst es ja 'After-Work-Party'. Das war U.H. zu langweilig, zu altmodisch. Da hat sie den Spiess einfach umgedreht und eine 'After-Party-Work-Veranstaltung' daraus gemacht. Was dabei rausgekommen ist, lest ihr nun:

"Wo bin ich? Was mache ich hier? Wieso habe ich ein Telefon-Headset um meine Ohren gewickelt?" So oder so ähnlich müssen U.H.’s erste Gedanken gewesen sein, als sie an jenem Sonntag Vormittag immer wieder von ihrem Arbeitskollegen mittels eines Ellbogenkicks aus dem Schlaf gerissen wurde. "Und was will diese Stimme im Hintergrund von mir? Die kenne ich doch woher?!" Irgendwie kam U.H. das alles vertraut vor, zu vertraut, viel zu vertraut. Beinahe so, als hätte sie das alles schon einmal erlebt, eine Art deja vu sozusagen. Dann dämmerte ihr allmählich etwas. "Oh shit! Nicht schon wieder! Verdammt U.H., jetzt reiss Dich gefälligst am Riemen und bring diesen Tag heil über die Runden!"

Was im Einzelnen geschah:
Am Samstag gingen wir alle gemeinsam aus. Vici, Herr Lehmann, Claudia, Spy, Brynn, ich und eben auch U.H. Als die Party mehr oder weniger vorbei war, d.h. die Bar geschlossen, die Musik aus, das Licht an und der Mob zu Hause waren, habe ich, wie die meisten anderen Gaeste auch, das Schlachtfeld verlassen und bin nach Hause gewackelt. U.H. musste jedoch noch unbedingt zu einer anderen Feier gehen. Was sie zu so später Stunde dazu bewegt hat? - eine Antwort auf diese Frage bleibt sie mir bis heute schuldig. Als U.H. letztendlich auch von dieser zweiten Party nach Hause kam, war der Morgen schon zu weit vorangeschritten, als dass es noch einen Sinn gehabt hätte, sich eine Runde aufs Ohr zu hauen. Denn U.H. hatte an jenem Sonntag Morgen nämlich die Frühschicht. Die Schlauen unter Euch können sich den Fortgang der Ereignisse nun schon denken. Für alle anderen gibt es die folgende logbuchartige Schilderung:

05:00 AM: U.H. ist von der zweiten Party heimgekehrt und erkennt, dass ihr jetzt nur noch ein starker Kaffee zur Aufrechterhaltung ihrer Lebensfunktionen weiterhelfen kann

06:00 AM: In den vergangenen 60 Minuten hat sich U.H. frisch gemacht, ihren Kaffee getrunken, ihre Sachen gewechselt und das Haus in Richtung Arbeitsstätte verlassen.

Kurz vor 07:00 AM: Nach einer guten dreiviertel Stunde Fussmarsch an der frischen Luft und einem halben Dutzend Zigaretten ist es U.H. schliesslich gelungen, den Draht zur Wirklichkeit wieder herzustellen. Sie kann klar denken, zusammenhängende Sätze formulieren und macht auch sonst einen ziemlich stabilen Eindruck. Dem normalen Arbeitstag sollte eigentlich nichts mehr im Wege stehen. Na dann mal los.

09:17 AM: Die Luft in so einem Call Center kann doch ganz schön stickig werden und so muss U.H. nun schon seit geraumer Zeit gelegentlich gähnen.

09:38 AM: U.H. bekommt einen Anruf von einem Kunden. Dieser möchte sich über Termine und Preise bestimmter Flüge informieren. Irgendwann kann sie sich nicht mehr wehren; ihre Augenlider werden schwer; sie reagiert jetzt nur noch reflexartig auf die Fragen des Kunden. Auf einmal sieht sie sich auf einer grünen Wiese wider, den bunten Schmetterlingen hinterherjagend, welche in fröhlichem Miteinander im leichten Sommerwind tänzeln.

09:40 AM: U.H. erwacht aus ihrem Sekundenschlaf. Dem Kunden selbst dürfte das nicht sonderlich aufgefallen sein, hat doch U.H. lediglich erneut nach Reiseziel, Reisetermin und Namen des Kunden gefragt.

10:15 AM: siehe Logbuch-Eintrag „09:38 AM“. Gleiche Wiese, gleiche Schmetterlinge, gleicher lauwarmer Sommerwind, jedoch hat sich der Name des Kunden verändert.

10:18 AM: Dieses Mal ist U.H. auf die Schützenhilfe ihres Kollegen angewiesen, der sie nur durch den bereits erwähnten Ellbogenkick aus ihrem Sekundenschlaf befreien kann. Wie durch ein Wunder bekommt auch dieses Mal der Kunde von der zwischenzeitlichen, geistligen Abwesenheit seines Gesprächspartners nicht allzu viel mit, weiss U.H. ihre vormals gesammelten Erfahrungen in diesem Bereich anzuwenden.

Dieses Spielchen wiederholt sich noch zwei,drei Mal im Laufe der nächsten paar Stunden, so lange bis U.H. den ersehnten Schichtwechsel erreicht und sich endlich vom System ausloggen kann. Gerettet.
Am Abend treffen wir uns im Pub und dabei versichert sie mir, eine solche Aktion nicht noch einmal durchzuführen. Ja, na klar Frau H., wer’s glaubt...

Posted by Sascha at August 5, 2004 05:10 AM
Comments

sascha, du könntest schriftsteller werden, genial, ich konnte mir unseren uwe bildlich vorstellen :-), lg kirsche

Posted by: Kirsche at August 5, 2004 09:28 AM
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